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Meine Freundin Margrit

Kurzgeschichten und Gedichte meiner Freundin Margrit

Auf dieser Seite meiner Homepage möchte ich mit Ihnen die Kurzgeschichten und Gedichte meiner Freundin Margrit (= Dr. Margrit Dornuf) teilen, denn es ist viel zu schade und geradezu egoistisch, wenn nur ich mich an ihnen erfreue. Margrit, mit der ich in Wilhelmshaven im Käthe-Kollwitz-Gymnasium die Schulbank gedrückt habe, ist für mich eine der größten deutschen Schreiberinnen unserer Zeit. Die erste Kurzgeschichte, „Das Rotkehlchen“, ist mir persönlich gewidmet worden, was jedoch nicht heißt, dass Sie nicht alle herzlich willkommen in „meinem Wintergärtchen“ sind.


Das Rotkehlchen

„Pick, Pick!“ Da war es wieder, das kleine Rotkehlchen, und hatte an das Glas des Wintergartenfensters geklopft. Eben hatte ich es noch gesehen, wie es am Rand des kleinen Marmorbrunnens gesessen hatte, den ich aus der Toskana mitgebracht habe. Die Fontäne war vereist und eine kleine Mütze aus frischem Schnee lag darauf. Das Rotkehlchen hatte wie ein kleiner roter Farbtupfer auf dem weißen Rand des unteres Beckens gesessen, die dunkel glänzenden Buchsbäume ein wirkungsvoller Hintergrund. Aber zu hoch, viel zu hoch: ich musste dem Gärtner unbedingt sagen, dass zum Frühjahr hin der Buchsbaum gekürzt werden musste, damit der Wintergarten nicht so stark verschattet wurde. Schön saß es sich hier: Ich hatte meinen Laptop auf dem kleinen weißen Holztisch aufgebaut, der noch die Schrammen vom Umtopfen der Orchideen hatte, und saß in dem alten knarrenden Korbsessel mit den Rosenkissen. Die braunen Fliesen unter meinen Füßen waren gemütlich warm - Fußbodenheizung, hatte eine schöne Stange Geld gekostet - und ich sah in den winterlichen Garten hinaus. Heute Nacht hatte es geschneit und der frische glitzernde Schnee, auf dem Streifen der Morgensonne hin und her huschten, war makellos unberührt. Die Rispen der Gräser am Teich funkelten wie Diamanten, die starre Eisfläche des Wassers war bläulich überhaucht.

Gedankenverloren nippte ich an meiner hauchdünnen japanischen Teetasse mit den orangenen Drachen darauf. Sanfter Darjeeling passte ausgezeichnet zu meiner Stimmung. Die kleine Kanne stand in Reichweite, der Bauch vom Teelicht im Stövchen geheimnisvoll beleuchtet. Mein Blick glitt zufrieden über das kleine Regal mit meinen Romanen – in jedem Raum meines großen Hauses gab es so ein Regal, sogar in der Gästetoilette – und weiter durch das Fenster auf die dünn beschneiten Fliesen der Terrasse zu dem kleinen Rotkehlchen, das stelzfüßig dort herumhopste und nach Futter pickte. Wieder näherte es sich der Fensterscheibe und saß dort, das Gefieder gegen die Kälte drollig gesträubt, und pickte zart und vernehmlich dagegen: es hatte Hunger. Wahrscheinlich waren die Körner in dem kleinen englischen Vogelhäuschen schon wieder zur Neige gegangen. Ich musste dem Gärtner wirklich sagen, dass er es öfter kontrollieren sollte.

In einer halben Stunde würde mir Frau Wiedmann, die gute Seele meines Haushalts, meine Post bringen und ich würde ihr wie jeden Morgen meine Wünsche für das Mittagessen mitteilen.

Ich wandte meine Aufmerksamkeit wieder meinem Laptop zu. Mein Verleger wollte in ein paar Tagen den Entwurf meines elften Romans sehen. Ich hatte die Geschichte in den Grundzügen natürlich schon fertig im Kopf, schließlich - so hatte ich auch in meinem letzten Interview betont – war Schriftsteller kein Beruf, sondern eine Berufung, und man schuldete es dem Schreiben geradezu, sich nur darauf zu konzentrieren. Also schob ich die Ärmel meines seidenen Kimonos hoch und legte meine Finger auf die Tastatur meines Laptops wie ein Klaviervirtuose vor dem großen Auftritt, mit den empfindlichen Fingerspitzen die kühlen glatten Tasten liebkosend, schon dem weichen Anschlag entgegen fiebernd.

Ich begann wieder zu schreiben. Leicht glitt der Text auf den Bildschirm, ja, das war gut. „Pick, pick!!“ diesmal lauter und fordernder. Mein Blick glitt zurück zum Fenster---
---Elvira Koslowsky – mit Ypsilon – , meine Nachbarin von nebenan, klopfte laut gegen das Fenster meiner Paterrewohnung, leicht unwillig öffnete ich das Fenster zum dämmerigen Hof. „Entschuldigen Sie, ich habe Ihre Schreibmaschine gehört. Hätten Sie wohl etwas Reis für mich?“ Verlegen drehte sie ihre schmuddlige Schürze zusammen. Wahrscheinlich hatten die Kinder wieder Hunger, der Alte war nicht nach Hause gekommen und hatte den Lohn von der Schwarzarbeit sofort versoffen. Ich ging in die Ecke, die der Vermieter vornehm eine „Küche“ nannte und suchte im Resopalschrank nach dem verlässlichen Onkel Bean, der immer kurz vor dem Ersten dafür sorgte, dass wir kulinarisch über die Runden kamen. Reis schmeckt mit allen. Notfalls nur mit Sojasoße. Ich reichte Elvira den letzten Beutel: „Hier, nehmen Sie!“ – „Danke!“ sagte sie, ihre Augen waren verweint. „Eine Affenhitze ist das wieder heute! Bestimmt 30 Grad. Wenn wir hier unten im Hof schon kein Licht haben, so sind unsere Wohnungen doch kühler als unterm Dach!“ Ich mochte Elvira, sie war so pragmatisch, außerdem hatte sie mir den Job in dem kleinen Cafe´ besorgt. „Müssen Sie gleich zur Arbeit? Hat sich inzwischen ein Verleger gemeldet?“

Ich wischte meine verschwitzten Haare aus der Stirn. „Ja, ich muss gleich zur Arbeit. Und, die Verleger melden sich immer!“ Mit der Hand wies ich auf den Stapel der zurückgekommenen Manuskripte. Post von gestern. Post von heute. Nichts als Absagen. Ich winkte Elvira zu und schloss das Fenster.


Die Trollbrüder müssen etwas tun

„Pst, halt’ die Klappe“, zischte Bodmin seinen kleinen Bruder an. Für einen Waldtroll war Beorg wirklich ungewöhnlich blöd. Bodmin schob sich auf dem Bauch rutschend näher an das gelbe Licht heran, sein dichtes Fell schützte ihn vor der Kälte des Bodens. Mit seinen großen knochigen Händen strich er vorsichtig die Ranken des Dornendickichts am Waldrand beiseite, so leise, dass keine Maus ihn gehört hätte. Hinter ihm polterte etwas und er hörte ein unterdrücktes Fluchen. Bodmin seufzte. Natürlich war Beorg wieder über eine Wurzel gefallen, obwohl er als Waldtroll doch im Dunkeln sehen konnte wie eine Katze. Theoretisch jedenfalls. Leider hatte Bodmin ihrer Mutter versprechen müssen, auf den kleinen Tollpatsch aufzupassen. So hatte er Beorg im Schlepptau, obwohl er doch eine wichtige Sache zu erledigen hatte.

Inzwischen hatte Bodmin den Rand des Dickichts erreicht, seine goldenen Augen starrten gebannt durch die winterkahlen Zweige auf das gelbe Licht. Wie ein großer Ball hing es an einer Stange, wie ein Mond sah es beinahe aus, aber nicht so schön. Bodmin schnüffelte. „Ein Menschending“, zischte er durch seine Hauer. Das Menschending war eine Laterne, die einen zittrigen Lichtschein auf den Boden warf. Er traute seinen Augen nicht: Der ehemalige Tanzplatz der Feuerelfen hatte sich sehr verändert. Stapel von Brettern und Baumstämme lagen hier kreuz und quer. An diesem Ort war die neue Waldhüterstation geplant, aber das wusste Bodmin natürlich nicht, doch er ahnte, dass es kein gutes Zeichen war, dass es hier so stark nach Menschen roch.

„Was’ n hier los?“ fragte hinter ihm die Stimme seines kleinen Bruders. Beorg hatte es endlich geschafft, sich durch das Gewirr der Dornenranken zu winden. „Ich hab mir völlig das Fell verfilzt und die Pfoten aufgeratscht“, maulte er leise. Bodmin antwortete nicht, sondern starrte weiter auf den gelben Lichtschein der Laterne. Er überlegte: Heute war Vollmond, der sich bereits langsam über den schwarzen Schatten der Bäume erhob. Wenn der Mond den höchsten Punkt seiner Bahn erreicht hatte, würden die Feuerelfen kommen, um den Kühlen Reigen im Schein des Mondes zu tanzen, um sich von den hitzigen Aktivitäten des Tages auszuruhen. Hier auf ihrer Lichtung am Rande des Dornengestrüpps, auf der sie bei jedem Vollmond umher irrlichterten. Der Kühle Reigen verhinderte, dass die Feuerelfen der ganzen Gegend allzu viele Brände entstehen ließen. „Das wird den Feuerelfen aber nich’ gefallen, dass hier soviel Zeug ’rumliegt“, sagte Beorg hinter ihm. „Und es stinkt hier auch ganz schön nach Menschen“. „Mhhh“, meinte Bodmin. Sein kleiner Bruder hatte recht: Das würde Ärger geben. Die Feuerelfen waren sehr empfindlich und schnell beleidigt und konnten es überhaupt nicht vertragen, wenn jemand sich in ihre Angelegenheiten einmischte. Das hier war ihr Lieblingstanzplatz für den Kühlen Reigen. Der gelbe Schein der Laterne war immerhin stark genug, dass das weiche Licht des Mondes wie ausgeblendet wirkte. Der kühle Glanz, der sonst auf den Wegen des Mondes lag, war unbedingt notwendig, damit die reizbaren Feuerelfen zur Ruhe kamen. Und wenn die Feuerelfen das zu sehen bekamen, ihr Lieblingstanzplatz in völlig falscher Beleuchtung mit einer Menge Gerümpel dazu… Er wurde starr vor Schreck: Baumstämme und Stapel von Brettern. Brennbar. Es war ein sehr trockener Herbst gewesen. Alles würde brennen wie Zunder. „Wie Zunder“, freute sich Beorg, der natürlich Gedanken lesen konnte wie alle Trolle. Das ist übrigens der Grund, warum man nie Trolle im Wald zu sehen bekommt. Trolle hören die Menschen kommen und verwandeln sich – ruckzuck – in einen Baumstumpf, der den Joggern ein Bein stellt, wenn sie von den gewohnten Wegen abkommen. „Hehe, wenn die Feuerelfen ihre Brüder, die Sturmflieger rufen, gibt es Blitz und Donner“ überlegte Beorg schadenfroh. „Hast du nicht mehr alle Zapfen auf der Tanne?“ sagte Bodmin und strich sich nachdenklich über seine Hauer. „Der Wald ist total trocken und ein Funke genügt… und poff!... alles brennt wie Zunder!“ Bodmin klatschte mit der flachen Hand seinem kleinen Bruder auf den runden Kopf. „Au!“ schrie Beorg.

„Und dann ist es Essig mit deiner neuen Spielhöhle unter der großen Tanne! Nur noch ein verkohlter Stumpen wird von der Tanne übrig bleiben, die gemütlichen großen Wurzeln werden alle verkohlen!“ Beorg erschrak.

„Was mach’ n wir jetzt?“ Bodmin sah zum Mond empor. „In etwa drei Stunden werden die Feuerelfen angeschwirrt kommen. Drei Stunden!“ „Un’ dann.. .Poff?“ fragte Beorg. „Poff!“ bestätigte Bodmin.

„Es gäbe da eine Möglichkeit. Die Große Schlucht! Wenn wir das ganze Zeug in die Große Schlucht kippen und das Menschending in den Waldsee werfen, so dass es ausgeht, dann ist alles in Harz!“ „Das ist aber furchtbare Arbeit“, beschwerte sich Beorg. „Na ja, aber denk an deine Spielhöhle und daran, wie traurig der Wald aussieht, wenn er abgebrannt ist und wie viele Jahre er braucht, bis er sich wieder erholt und so wunderschön grün ist.“

Kurz entschlossen schlurfte Bodmin – lautlos – auf den Feuerelfentanzplatz, gefolgt von seinem Bruder, der sich ängstlich am Schwanz seines großen Bruders festhielt. „Au, zieh’ nicht so“, schnauzte Bodmin. Er griff die Stange von dem Menschending, riss sie aus dem Boden und rannte damit zum nahen Waldsee. Dort angekommen warf er sie mit einem großen Schwung ins Wasser und sah zufrieden zu, wie das Menschending ausging und mit leisem Gluckern absoff.

Als er zurückkam, war der Feuerelfentanzplatz wieder in das kühl-sanfte Licht des Mondes gehüllt, doch überall lagen noch die Baumstämme und das Bauholz herum. Sein kleiner Bruder sah ihn ratlos an: „Wie sollen wir das denn schaffen?“ Bodmin reichte seinem kleinen Bruder die Hände über Kreuz: „Du weißt schon… zusammen!“

Sie begannen, sich umeinander zu drehen, während sie schaurig-schön sangen:

„Waldgeruch!

Zauberspruch!

Tannensaft!

Riesenkraft!

Jeder Troll hagelvoll

mit Tannensaft

auch das Allergrößte schafft!“

Sie schnauften erwartungsfroh, als die Kraft des Waldes über ihre platten Füße in ihre Körper emporstieg. „Ah!“

Bodmin griff drei Baumstämme, als wären es kleine Äste, er war unter den Zweigen kaum noch zu sehen, und lief mit seiner Last wieselschnell zur Großen Schlucht, wo er sie polternd hinabstürzen ließ. Hinter ihm keuchte Beorg unter einem Stapel Bauholz, den er ungeschickt in die Große Schlucht stieß.

Und so schleppten und rannten sie, bis der ganze Feuerelfentanzplatz leer war und alles Holz in die Große Schlucht hinuntergepoltert war. Danach riefen sie den Nachtwind, der den Grasboden des Tanzplatzes glatt fegte und die letzten Fetzen des Menschengestanks davon wehte. „Geschafft!“ riefen sie zusammen. Bodmin wusste, diese Nacht würde es keinen Ärger mit den Feuerelfen geben. Die Menschen würden bestimmt wieder kommen, aber irgendwann würden sie schon aufgeben oder einen anderen Platz suchen, wo sie ihr Zeug hinschmeißen konnten. Als Troll machte er sich nicht so viele Gedanken. Hauptsache war doch, dass der Wald nicht brannte und die Trolle und die Tiere des Waldes ihre Ruhe hatten. Dann würde man schon weiter sehen.

„Wenn du es Mama sagst, bekommst du Ärger“, sagte Bodmin zu seinem kleinen Bruder, „und jetzt ab in die Höhle ins Bett. Die Sonne geht gleich auf!“ Die beiden trollten sich müde heim.


Geheime Kräfte

Nächtliche Ozeane
unter meinen Flügeln
Himmelsgischt rauscht auf

Wolkenländer
rollen hin unter meinem Sprung
Sternenschnuppen regnen herab
in die Mitte des samtigen Äthers

Meine Träume gehen Drachenwege:
kompassgenau
treff' ich dein Herz.


Weitere Informationen über meine Freundin Margrit finden Sie auf folgenden Webseiten:

http://www.potentiale-entfalten.com/index.html
und
http://www.literaturwerkstatt.info

Viel Spaß beim Lesen und alles Liebe, Ihre oder Eure Maike