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Alltagsgeschichte des Mittelalters

III. 2.6. Die Soldaten Gottes

Jetzt haben wir den Ritter als berittenen Haudegen zu Genüge kennengelernt und wenden uns seinem durch Romane und durch Spielfilme weit mehr verbreiteten Bild des "heiligen Kämpfers" zu.

Ritterlich – dieses Wort wird mit Höflichkeit, Fairneß, Treue, Offenherzigkeit und Großzügigkeit verbunden. Aber das sind alles Eigenschaften, die die rauhen Krieger erst durch ihre neue Rolle als Diener der Kirche erwarben.

Im 10. Jh. wurde nämlich vom Kloster Cluny die Pax Dei, der Frieden Gottes, verkündet. Die Verhältnisse im Abendland waren zu dieser Zeit verheerend! Die hohen und niederen adligen Herren taten, was ihnen gefiel; plünderten, raubten, mordeten, überfielen Geistliche und Mönche und machten vor keiner Grausamkeit und Gemeinheit halt. Mit der Verkündigung der Pax Dei, dem Gottesfrieden, sollten die adligen Krieger ab sofort, ihre Waffen nicht mehr zum privaten Vergnügen, zum Ausrauben von Kirchen, zum Plündern von Kaufleuten, zum Erpressen von Standesgenossen, zum Unterdrücken von Bauern und zum Morden von unschuldigen Menschen benutzen, sondern in den Dienst der Kirche und der christlichen Religion stellen und dafür sorgen, daß die Schwachen wie die Frauen, die Geistlichen, die Kinder, die Reisenden und die Bauern in Frieden leben konnten und daß auch Kirchen und Friedhöfe unangetastet blieben.

Im 12. Jh. wurde der Ritter durch den Kreuzzugsgedanken sogar zum "Soldaten Gottes" (miles Dei) und zum "Soldaten Christi" (miles Christi) erhoben und durfte von da an im Namen Gottes und Jesus Christus Andersgläubige niedermetzeln. So predigten die Päpste und ihre Helfershelfer schließlich Sündenerlaß für jeden toten Heiden. Im Prinzip konnte der Ritter durch die Pax Dei und in den Kreuzzügen das tun, was er schon immer als seine Aufgabe ansah: töten! Nur erhielt er seit dem 10. Jh. dazu noch den Segen der Kirche.

So schildert Albert von Aachen die Diener Gottes bei der Eroberung Jerusalems im Jahre 1099 folgendermaßen:
"Nach dem fürchterlichen und blutigen Hinmorden der Sarazenen, von denen dort (im Tempel) zehntausend erschlagen wurden, kehrten die Christen siegreich vom Palast zur Stadt zurück und machten nun viele Scharen von Heiden, die in ihrer Todesangst versprengt durch die Gassen irrten, mit dem Schwert nieder. Weiber, die in die befestigten Häuser und Paläste geflohen waren, durchbohrten sie mit dem Schwert. Kinder, noch saugend, rissen sie an den Füßen von der Brust der Mutter oder aus den Wiegen und warfen sie an die Wand und auf die Türschwellen und brachen ihnen das Genick. Andere machten sie mit ihren Waffen nieder, wieder andere töteten sie mit den Steinen. Kein Alter und kein Geschlecht der Heiden wurde verschont." (in: Peter Milger, Die Kreuzzüge – Krieg im Namen Gottes, München 1988, S. 119)


Lesetipps:
  • Bradford, Ernle: Kreuz und Schwert. München 1981
  • Hoffmann, Hartmut: Gottesfriede und Treuga Dei. Stuttgart 1964
  • Milger, Peter: Die Kreuzzüge. München 1988 (sehr gut!)
  • Pernoud, Régine: Die Kreuzzüge in Augenzeugenberichten. Berlin, Darmstadt, Wien 1965

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