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Frohe Weihnachten / Merry Christmas

Eine wunderschöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 wünscht Ihnen, meine lieben Leser und Leserinnen, Ihre Maike Vogt-Lüerssen von Downunder.

Möge das nächste Jahr für Sie mit Gesundheit, Freude, Spaß, Liebe und netten Überraschungen gefüllt sein! Ganz besonders möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die meine Bücher und E-Books gekauft haben und mir damit ermöglichen, meiner großen Leidenschaft, der Geschichte, weiterhin nachgehen zu können.

Begegnungen mit Zeitgenossen der Renaissance

Meister der Ulrichslegende: Bildnis des Stadtschreibers (sogenannter Pius Joachim)

Bildnis des Stadtschreibers (sogenannter Pius Joachim)
Bildnis des Stadtschreibers (sogenannter Pius Joachim)

Die Herstellung und Verbreitung des Papiers

Dieser Stadtschreiber benötigte schon aus beruflichen Gründen nicht nur Tinte und Streusand, sondern auch Papier. Und das war im 15. Jh. mittlerweile auch in Deutschland vorhanden.

Die Geschichte des Papiers liest sich bis zu dieser Zeit folgendermaßen:

Schon 105 n. Chr. stellte man in China aus dem Bast von Maulbeerzweigen, aus Bambusfasern, Ramie (= Chinagras) und Baumwoll- oder Leinenlumpen Papier her. Ja, schon im zweiten Jahrhundert konnte man hier die ersten Papiertaschentücher erstehen. Im 9. Jh. besaßen die Chinesen bereits Papierservietten, Toilettenpapier und sogar Kleidungsstücke, die rein aus Papier gefertigt worden waren. Visitenkarten und Tapeten folgten kurze Zeit später, und um 910 n. Chr. benutzten die Chinesen für ihre Kaufhandlungen zum ersten Mal Papiergeld, das man aus der Rinde des Maulbeerbaumes herstellte und das in roter Farbe für jedermann sichtbar seinen Wert garantierte. Seit 970 war dieses Papiergeld schließlich in ganz China in allgemeinem Gebrauch.

Die Kunst der Papierherstellung gelangte von China um 600 n. Chr. nach Korea und um 610 n. Chr. nach Japan. Im Jahre 751 n. Chr. konnten die Araber den Chinesen eine vernichtende Niederlage am Talas beibringen. Dabei gelang es den Siegern Chinesen gefangenzunehmen, die die Verfahren zur Herstellung von Papier aus Flachs und Hanf kannten. Sogleich wurden die "wertvollen" Gefangenen nach Samarkand gebracht, wo schließlich schon kurze Zeit später die erste islamische Papierfabrik eröffnet werden konnte. Und dieses Papier, hergestellt in Samarkand, galt viele Jahrhunderte lang als die beste Schreibunterlage der Welt.

Um 794/795 erstand eine weitere bedeutende Papierfabrik in Bagdad, dann in Damaskus und in Marokko. Schließlich begannen auch die Ägypter um 900 n. Chr. mit der Papierherstellung. So benutzte man um 1035 im Bazar von Kairo zum Verpacken von Waren bereits Papier. Im Abendland schrieb man dagegen immer noch auf den teuren Pergamenten, die in einem langwierigen Verfahren aus Schafs-, Ziegen- und Kalbshäuten gewonnen wurden. Erst im Jahre 1144 konnte man auf dem europäischen Festland die erste Papiermühle - und zwar in Spanien - entdecken. 1189 begann die Papierfabrikation schließlich auch in Frankreich, 1267 in Italien, 1494 in England und 1586 in Holland.

In Deutschland wurde die erste Papiermühle 1389 vor den Toren Nürnbergs vom Ratsherren und Kaufmann Ulman Stromer betrieben. Wie mühsam und langwierig der Herstellungsprozeß war, schildert sehr anschaulich Joachim Zahn: „Die anstrengendste und am meisten Geschick erfordernde Arbeit hatte der 'Büttgesell', der Schöpfer an der Bütte, zu verrichten. Er tauchte den Schöpfrahmen in die erwärmte Aufschlämmung des Rohstoffs, hob ihn heraus und schüttelte ihn in bestimmter Weise. Das Wasser floß durch das Sieb ab, auf dem sich ein feiner 'Filz' von kreuz und quer zueinander liegenden Fasern bildete, der Bogen. Nun übernahm der 'Gautscher' die Form; er mußte den feuchten Bogen vom Sieb lösen. Dazu wendete er die Form und preßte sie auf einen Wollfilz. Von der Beschaffenheit des Filzes erhielt der trockene Bogen seine Oberflächenstruktur. Auf den feuchten Bogen legte der Gautscher wieder einen Filz, auf diesen den nächsten Bogen. So schichtete er Bogen auf Filz über Bogen auf Filz zu einem hohen Stapel von 181 Bogen und 182 Filzen, dem 'Bausch' oder 'Pautsch'. Unter einer mächtigen Spindelpresse wurde der Pautsch dann zusammengepreßt, um den (181) Bogen das Wasser zu entziehen, wobei sie sich bereits etwas verfestigten. Nun trat der dritte Geselle in Aktion, der 'Leger'. Er nahm den Stapel auseinander, schichtete die Bogen wieder übereinander und preßte den Stapel nochmals ab. Danach wurden die immer noch sehr empfindlichen Bogen von Frauen auf dem 'Henkboden' über Seile und Stangen zum Trocknen gehängt. Die trockenen Bogen waren rauh, uneben und saugfähig, noch völlig ungeeignet zum Beschreiben. Ein vierter Geselle zog sie durch eine warme Leimlösung... Die geleimten, durchfeuchteten Bogen mußten nun noch einmal gepreßt und getrocknet werden. Den Abschluß der Bearbeitung bildete das Glätten mit einem Stück Achat oder unter dem Schlaghammer der vom Wasserrad der Papiermühle betriebenen Schlagstampfe.“ (in: Zahn, Joachim: Nichts Neues mehr seit Babylon. Kulturgeschichtliches und Technisches aus fünf Jahrtausenden, Hamburg 1979, S. 68-69)


als Buch
Buch Cover: Der Alltag im Mittelalter

Der Alltag im Mittelalter 352 Seiten, mit 156 Bildern, ISBN 3-8334-4354-5, 2., überarbeitete Auflage 2006, € 23,90

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