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Leonardo da Vinci

Besuch im Château du Cloux und im Schloss von Amboise

Der Ausflug zum Schloss von Amboise und zum Château du Cloux, das heute unter dem Namen "Clos Lucé" bekannt ist, wurde an einem sehr regnerischen Tag im Januar unternommen. Dafür hatte man jedoch beide Schlösser fast nur für sich, denn nur sehr wenige Touristen hatten sich an diesem trüben Tag nach Amboise aufgemacht. Hier im Foto befinden Sie sich vor dem Haupteingang in das Château du Clos Lucé, das Sie leicht zu Fuß vom Hauptbahnhof von Amboise erreichen können. Sie benötigen hierzu ungefähr 20 bis 30 Minuten.

... und nun lassen Sie uns gemeinsam hineingehen.

Zu Ihrer rechten Hand befindet sich dann dieses prächtige Gebäude: das Château du Clos Lucé. Ganz rechts, beim Fenster mit der kleinen Markise, haben Sie das Eintrittsgeld – in der Nebensaison kostet es 11,50 EUR (Stand: 2013) – zu bezahlen. Das Schloss, das sich seit 1854 im Besitz der Familie Saint Bris befindet, wurde im Jahr 1471 für einen Günstling des französischen Königs Ludwig XI. (1423-1483), Etienne Le Loup, erbaut, der dank des Königs vom einfachen Küchenjungen bis zum adligen Herrn aufsteigen konnte. Am 2. Juli 1490 erwarb der Sohn und Nachfolger des Königs Ludwig XI., der französische König Karl VIII. (1470-1498), dieses Schloss für 3.500 Gold-Ecus, das nun bis ins 18. Jahrhundert hinein der französischen Königsfamilie als Sommersitz diente, bevor es schließlich zuerst in den Besitz der adligen Familie d'Amboise und dann in den Besitz der Familie Saint Bris gelangte.

Auf diesem Foto ist der Turm, in dem sich die Kapelle der zweiten Gattin des französischen Königs Karl VIII., Anna de Bretagne (1476-1514), befindet, sehr gut zu sehen. Gemäß der Tradition der Renaissance hatte Karl VIII. als neuer Besitzer des Schlosses sein Wappen, die französische Lilie, in der Mitte des Turmes anbringen lassen. Darunter befinden sich die Wappen von Louise von Savoyen (1476-1531), der Gattin des Grafen Karl d´Angoulême (1458-1495) und Mutter des französischen Königs Franz I. (1494-1547) und der Königin von Navarra, Marguerite d´Angoulême (1492-1549). Louise von Savoyen lebte nach dem frühen Tod ihres Gatten für einige Jahre in diesem Schloss mit ihren beiden Kindern. (Das Wappen der französischen Valois-Könige, getragen von zwei Engeln, und darunter die beiden Wappen von Louise von Savoyen).

... und nun ein Blick erneut auf das Eingangstor und auf den darüber befindlichen ältesten Teil der Schlossanlage (und ein Blick auf die gesamte Anlage).

... und auf die Gartenanlage.

Der berühmteste Gast im Château du Clos Lucé ist Leonardo da Vinci (1452-1519) gewesen. Er traf am 21. Mai 1517 (NICHT im Herbst 1516!) in Clos Lucé ein. Der französische König Franz I. (1494-1547) hatte ihm und seinen drei Begleitern, seinem älteren Sohn Francesco da Melzo, seinem Halbbruder Salai und seinem treuen und bewährten mailändischen Diener Battista de Vilanis, dieses Schloss als Unterkunft zur Verfügung gestellt, in dem der große Künstler letztendlich am 2. Mai 1519 im Alter von 67 Jahren auch sterben sollte. Leonardo da Vinci war mit einem sehr heiklen Auftrag nach Frankreich gekommen. Als Geheimagent des neapolitanischen Königshauses von Aragon und dessen Freunde sollte er Franz I. als Bündnispartner gegen den Habsburger, den spanischen König und späteren Kaiser Karl V., gewinnen. Da Leonardo da Vinci Anfang des Jahres 1516 einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hatte, der zu einer Lähmung seines rechten Armes geführt hatte, war er als Hofmaler des französischen Königs nicht zu gebrauchen. Diese Aufgabe übernahm sein Kollege, der florentinische Maler Andrea del Sarto (1486-1530). Wenn Sie mehr über Leonardo da Vinci und seine wahre Lebensgeschichte erfahren wollen, lesen Sie bitte folgendes Buch: Die Sforza III: Isabella von Aragon und ihr Hofmaler Leonardo da Vinci. In diesem Bild befinden Sie sich im Schlafzimmer von Leonardo da Vinci. Bei den Möbeln, die diesen und die anderen Räume ausschmücken, handelt es sich nicht um Originalstücke! Dies ist also nicht das Originalbett von Leonardo da Vinci! (Das Schlafzimmer von Leonardo da Vinci aus einer anderen Perspektive).

... und wieder zeigt das Wappen in diesem Zimmer, wem das Schloss gehörte: dem französischen Königshaus der Valois.

... hier finden Sie ein Bildnis von Leonardos Gattin, Isabella von Aragon. Es entstand in der Werkstatt von Bernardino Luini, einem engen Freund von Leonardo da Vinci. Isabella von Aragon (1470-1524), die mit den Freunden ihres väterlichen Königshauses das Bündnis mit dem französischen König Franz I. dringend benötigte, wurde hier als eine der weiblichen Hauptheiligen der Visconti und Sforza, die Heilige Katharina von Alexandria, wiedergegeben.

Dieses Zimmer, das auf dem Fußboden mehrfach die Initiale oder das Monogramm von Marguerite d´Angoulême aufweist und uns damit deutlich verkündet, das es einst von dieser berühmten Prinzessin bewohnt worden war, war im Jahr 1517 Leonardos älterem Sohn Francesco da Melzo zugewiesen worden. Marguerite d´Angoulême schrieb übrigens ihr berühmtestes Werk "Das Heptameron" nicht in diesem Schloss, wie leider mittlerweile überall zu lesen ist, sondern in ihrem Königreich von Navarra in ihren dortigen Hauptresidenzen Nérac und Pau. Falls Sie mehr über diese sehr interessante Königin und auch deren berühmte Tochter, Jeanne d'Albret, wissen möchten, lesen Sie bitte das Buch: Frauen in der Renaissance. Auch der älteste Sohn von Isabella von Aragon aus ihrer ersten Ehe mit dem mailändischen Herzog Gian Galeazzo II. Maria Sforza (häufig nur Gian Galeazzo Sforza genannt), der hübsche Francesco Maria il Duchetto (1492-1512), hatte für über 10 Jahre entweder dieses oder Leonardos Zimmer "seine Kammer" nennen dürfen. (eine größere Version des Zimmers).

Die spezifische Initiale oder das Monogramm von Marguerite d´Angoulême, die mehrfach die Fliesen des Fußbodens schmückt.

Marguerite d´Angoulême

Nachdem wir das Zimmer von Marguerite d´Angoulême und Francesco da Melzo verlassen haben (die Tür oben rechts im Bild), steigen wir die Treppe in das Erdgeschoss hinab ...

... und betreten das Oratorium oder das Bethaus von Anna de Bretagne, der zweiten Gattin des französischen Königs Karl VIII. Anna de Bretagne betete hier für die Geburt eines gesunden Kindes, das nicht, wie so viele ihrer Kinder, bereits kurz nach der Geburt oder als kleines Kind sterben sollte. Ihrem ersten Gatten, dem französischen König Karl VIII., schenkte sie vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter, die mit Ausnahme des ältesten Kindes bereits im Jahr ihrer Geburt verstarben. Ihr ältestes Kind, ihr Sohn Karl-Orlando (1492-1495), schied als Dreijähriger aus dem Leben. Ihrem zweiten Gatten, dem französischen König Ludwig XII. (1462-1515), gebar sie drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Zudem erlitt sie zwei Totgeburten. Ihr Sohn aus dieser Ehe starb am Tag seiner Geburt, aber ihre beiden Töchter, Claude (1499-1524) und Renée (1510-1575), erreichten das Erwachsenenalter.

Anna de Bretagne, mit den beiden Symbolen, mit denen sie sich schmücken durfte: der französischen Lilie (links) und dem Hermelinschwanz (rechts)

Der erste Gatte von Anna de Bretagne: der gutmütige, aber hässliche französische König Karl VIII.

Noch ein weiterer Blick ins Oratorium der Anna de Bretagne.

An der Decke auch dieses Raumes ist durch das angebrachte Wappen zu erkennen, wem das Château du Clos Lucé einst gehörte: dem französischen Königshaus der Valois.

Der "Kleine Salon", gefüllt mit Möbelstücken und Accessoires aus dem 18. Jahrhundert

Die "Große Halle", die Leonardo da Vinci als Empfangszimmer verwendete und die heute mit Möbelstücken und Accessoires aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert ausgestattet ist.

Die "Große Halle", von den Fenstern aus aufgenommen (und eine Gesamtansicht des Zimmers).

Die "Große Halle", vom Kamin aus aufgenommen

Der französische König Franz I., den Isabella von Aragon und ihre Freunde als Verbündeten gegen den Habsburger und spanischen König Karl (V.) gewinnen wollten.

Die Küche, die mit Möbelstücken und Accessoires aus dem 16. und 17. Jahrhundert ausgestattet ist. (Gesamtansicht der Küche: die Tür rechts neben dem Kamin führt in die "Große Halle", die Treppe links vom Kamin führt in den Keller, in dem in vier Räumen mit dem Ingenieur und Erfinder Leonardo da Vinci vertraut gemacht werden soll.)

Das Schloss von Amboise ist vom Château du Clos Lucé nicht weit entfernt, wie ein Blick aus dem Fenster zeigt.

Das Gebäude gleich neben dem Schloss wird als Souveniergeschäft verwendet, in dem man Postkarten, Poster, T-Shirts, Tücher, Krawatten, Tassen, Bücher, Videos und DVDs erstehen kann, falls man zur richtigen Jahreszeit kommt. Im Winter ist hier alles geschlossen.

Das Souviergeschäft von vorne betrachtet (Gesamtübersicht über die Gebäude im Schlossbereich: Links vom Souviergeschäft befinden sich die Toiletten und die beiden Restaurants, "La Terrasse Renaissance - Crêperie" und "La table du Moulin", die im Winter jedoch ebenfalls geschlossen sind.)

Von hier noch einmal ein Blick auf das Schloss von Amboise und die Kapelle des Heiligen Hubertus (links mit dem Türmchen auf dem Dach), in der angeblich Leonardo da Vinci ruhen soll.

Ein Gesamtüberblick über die Gebäude und die Parkanlage des Château du Clos Lucé

Nun erkunden wir die Gartenanlage, in denen einige von Leonardos technischen Zeichnungen in die Realität umgesetzt wurden wie eine Holzbrücke, ein Helicopter, ein Maschinengewehr, eine Brücke, die verschiebbar ist, eine Schwingbrücke, eine Flugmaschine, eine Mühle etc.

Es gibt in dem Park auch Picknickplätze.

Das Priorat des Saint-Esprit oder "Auberge du Prieuré", ein Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert, befindet sich ganz hinten im Park und ist mittlerweile zu einem Gasthaus umgewandelt worden, in dem Gerichte aus der Renaissance von Kellnern und Kellnerinnen, gekleidet in Kostümen dieser Epoche, serviert werden sollen.

Das Schloss von Amboise, das auf einem Felsplateau hoch über der Stadt und dem Fluss, der Loire, errichtet wurde, war das Lieblingsschloss des französischen Königs Karl VIII. gewesen, der hier nicht nur geboren, sondern von seiner Mutter, Charlotte von Savoyen, hier mit viel Liebe aufgezogen wurde. Hier lebte er auch mit seiner geliebten Gattin Anna de Bretagne, bis er sich hier im Schloss am 7. April 1498 an einer zu niedrigen Tür den Kopf so heftig gestoßen hatte, dass er wenige Stunden später gegen 23 Uhr im Alter von nur 27 Jahren starb. Er hatte sich nämlich eine Gehirnblutung zugezogen. Von der einst gewaltigen Anlage des Schlosses ist heute leider durch die Verwüstungen, Schleifungen und Plünderungen im 17. und 18. Jahrhundert nur noch ein kleiner Teil erhalten geblieben. In diesem Foto blicken Sie auf den mächtigen Hurtaultturm. Im Hintergrund links ist die Kapelle des Heiligen Hubertus zu sehen.

Wenn Sie den Blick nach links wenden, können Sie die wunderschönen Häuser bewundern.

Von oben auf dem Schloss hat man einen sehr guten Überblick über die gesamte Stadt (wenn das Wetter mitspielt). Der Eintrittspreis für den Besuch dieses Schlosses betrug übrigens 10.50 EUR.

Das Schloss von Amboise von der Loire aus betrachtet

... und hier von der Rückseite aus betrachtet

Im Schloss selbst wird uns immer wieder gemäß der Tradition der Renaissance mittels Wappen und Symbolen gezeigt, wem es gehörte, so zum Beispiel an diesem prächtigen Kamin ...

... die französische Lilie und das Wappen mit den drei Lilien stehen für Karl VIII. und die Hermelinschwänze und das Wappen mit den französischen Lilien und den Hermelinschwänzen für Anna de Bretagne.

Und falls es tatsächlich noch immer welche geben sollte, die es nicht verstanden haben: Fenster mit Hermelinschwänzen (Anna de Bretagne) ...

... und Fenster mit der französischen Lilie (Karl VIII.)

... Säulen mit der französischen Lilie (Karl VIII.)

... und Säulen mit dem Hermelinschwanz (Anna de Bretagne)

und hier drei Hermelinschwänze mit dem Buchstaben "A" für Anna de Bretagne

Im Ständesaal (Salle du Conseil) sind durch die Wappen und Symbole von Karl VIII. und Anna de Bretagne am Kamin, an den Säulen und an den Fensterscheiben die Besitzer des Schlosses in der Tat sehr leicht zu identifizieren.

Dieser Kamin schien zu einem Raum zu gehören, der von Anna de Bretagne bewohnt wurde, denn auf ihm ist ihr Wappen dargestellt worden. Die Knoten zwischen den Symbolen der französischen Lilie und des Hermelinschwanzes haben jedoch nichts mit dem Orden der Franziskaner zu tun, wie man mittlerweile ebenfalls überall liest. Die Visconti haben als erste Dynastie gegen Ende des 13. Jahrhunderts einen Knoten als ein spezifisches Symbol ihrer Familie eingeführt. Ihnen folgte das Haus von Savoyen, und wie hier sehen können, hielt es das Haus von Valois ebenfalls für nötig, es diesen Dynastien nachzumachen und ein eigenes Knotenmuster zu entwickeln. Die Knotenmuster der drei Dynastien unterscheiden sich selbstverständlich. Schließlich diente dieses Symbol des Knotens ebenfalls zur Identifizierung der drei Herrscherhäuser.

Ein Blick auf die Loire ...

... und auf die neapolitanische Terrasse

In der Parkanlage des Schlosses von Amboise finden wir selbstverständlich auch eine Büste von Leonardo da Vinci, die jedoch erst im 20. Jahrhundert erstellt worden sein kann, denn Leonardo da Vinci sieht hier wieder wie sein Großvater Antonio da Vinci (1373-1469) aus.

Blick von der Büste von Leonardo da Vinci aus auf das Schloss und auf die Heilige Hubertus-Kapelle (größere Version dieses Ausblickes).

Die Heilige Hubertus-Kapelle entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts und stellte erneut ein Oratorium oder Bethaus von Anna de Bretagne dar.

Heute gehört diese Kapelle zu einem der meistbesuchtesten Plätze in Frankreich, weil in ihrem linken Querschiff im Jahr 1874 angeblich die Gebeine von Leonardo da Vinci beigesetzt worden seien, was nicht der Wahrheit entspricht.

"Nicht überall, wo Leonardo da Vinci draufsteht, ist auch Leonardo drin". Warum er hier nicht liegt, und wo er in Italien begraben wurde, für all diese Fragen und mehr finden Sie eine Antwort in dem Buch: Die Sforza III: Isabella von Aragon und ihr Hofmaler Leonardo da Vinci.

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