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Martin Luther

Schriften, Briefe und Sprüche - Eine Auswahl seiner Werke

Martin Luther über seine Herkunft und seine Vorfahren:
“Ich bin ein Bauernsohn; der Urgroßvater, mein Großvater, der Vater sind richtige Bauern gewesen. Ich hätte eigentlich wie jener (Philipp Melanchthon) sagte, ein Vorsteher, ein Schultheiß und was sie sonst im Dorf haben, irgendein oberster Knecht über die andern werden müssen. Danach ist mein Vater nach Mansfeld gezogen und dort ein Berghäuer (Bergmann) geworden. Dorther bin ich. Dass ich aber Baccalaureus und Magister wurde, dann das braune Barett ablegte, andern überließ und Mönch wurde, damit freilich Schande einlegte, was meinen Vater bitter verdross –, und dass ich dann trotzdem dem Papst in die Haare geriet und er mir wieder, dass ich eine entlaufene Nonne zum Weibe nahm –, wer hat das in den Sternen gesehen? Wer hätte mir das vorausgesagt?” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 5, 6250 (nach 1530))
Martin Luther über sein Leben als Schüler in Eisenach in den Jahren 1497-1501 (Martin Luther musste dort wie viele andere Schüler, um sein tägliches Brot betteln):
“Darum verachte mir nicht die Gesellen, die vor der Tür das “(Ein) Brot um Gottes Willen!” sagen und die Brotreigen singen; du hörst, wie dieser Psalm sagt, große Fürsten und Herren singen. Ich bin auch ein solcher Partekenhengst gewesen und habe das Brot vor den Häusern genommen, besonders zu Eisenach, in meiner lieben Stadt, obwohl mich später mein lieber Vater mit aller Liebe und Treue auf der Hohen Schule zu Erfurt versorgte und mir durch seinen sauren Schweiß und Arbeit dahingeholfen hat, wohin ich gekommen bin. Trotzdem bin ich ein Partekenhengst gewesen.” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Ausgabe 30, 2, 576, 9 ff.)
Martin Luther über seine persönlichen Erlebnisse, nachdem er seinen Freunden und Eltern mitteilte, dass er Mönch im Augustinereremitenorden werden wollte:
“Am 16. Juli, dem Alexiustag, sprach er (Martin Luther): heute jährt es sich, dass ich in das Kloster zu Erfurt gegangen bin. – Und er begann die Geschichte zu erzählen, wie er ein Gelübde getan, als er nämlich kaum 14 Tage vorher unterwegs gewesen und durch einen Blitzstrahl bei Stotternheim nicht weit von Erfurt derart erschüttert worden sei, dass er im Schreck gerufen habe: Hilf du, heilige Anna, ich will ein Mönch werden! – Nachher reute mich das Gelübde, und viele rieten mir ab. Ich aber beharrte darauf und am Tage vor Alexius lud ich die besten Freunde zum Abschied ein, damit sie mich am morgigen Tag ins Kloster geleiteten. Als sie mich aber zurückhalten wollten, sprach ich: Heute seht ihr mich zum letzten Mal. Da gaben sie mir unter Tränen das Geleite. Auch mein Vater war sehr zornig über das Gelübde, doch ich beharrte bei meinem Entschluss. Niemals dachte ich das Kloster zu verlassen. Ich war der Welt ganz abgestorben.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 4, 4707 (1539))
“Als ich ein Mönch wurde, da wollte mein Vater toll werden. Er war ganz unzufrieden und wollte mir´s nicht gestatten; gleichwohl wollte ich es mit seinem Wissen und Willen tun. Als ich´s ihm schrieb, antwortete er mir schriftlich wieder und nannte mich “Du”. Vorher redete er mich mit “Ihr” an, weil ich Magister war; nun sagte er mir alle Gunst und väterlichen Willen ab.” (in: V. Bavarus: Rapsodiae ex ore D. M. Lutheri, 1549, II., 752)
Anmerkung Luthers in seiner Römerbriefvorlesung aus dem Jahre 1516:
“Es gehört nicht in den neuen Bund, einige Tage zu bestimmen zum Fasten, andre nicht, ebensowenig einige Speisen auszunehmen und auszusondern, auch nicht einige Tage als Festtage anzusetzen, andre nicht; ferner nicht, diese oder jene Kirchen zu bauen oder sie so auszuschmücken oder so zu singen ... Endlich ist es nicht geboten, dass Priester und Mönche den Bart scheren oder in gesondertem Gewand einhergehen. Alles das sind Schatten und Zeichen der Dinge und es ist kindisch. Nein, jeder Tag ist ein Festtag, jede Speise ist erlaubt, alles ist frei, nur muss überall Maß gehalten und Liebe geübt werden. Gegen diese von dem Apostel bestätigte Freiheit haben viele falsche Apostel gepredigt und das Volk verführt, jene Nichtigkeiten als notwendig zum Heil anzusehen ... Zu dieser verkehrten Vorstellung ist das Volk dadurch gekommen, dass es Predigten über das wahre Wort nicht gehört hat, und darum hätte es neue Apostel nötig, um zu lernen, was wahrhafte Frömmigkeit ist.” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 56, 493, 27 ff. (1516))
Martin Luthers Brief an Johann Lang vom 26.10.1516: Zuviel Arbeit!
“Heil und Gruß! Ich hätte eigentlich zwei Schreiber oder Kanzlisten nötig, denn fast den ganzen Tag tue ich nichts als Briefe schreiben... Ich bin Klosterprediger und Tischprediger, täglich werde ich angelaufen um den Predigtdienst in der Pfarrkirche, ich bin Leiter der Studienanstalt unseres Ordens, ich bin Ordensvikar, d.h. elfmal Prior, ich habe die Einkünfte des Fischteichs im Leitzkau einzuziehen und in Torgau die Sache der Herzberger Mönche zu führen, ich halte Vorlesungen über Paulus, ich sammle Erklärungen zu dem Psalter, endlich liegt schwer auf mir mein zeitraubender Briefwechsel. Selten habe ich Zeit, die kanonischen Stunden regelrecht zu halten, ganz zu schweigen der Anfechtungen des Fleisches, der Welt und des Teufels, mit denen ich zu kämpfen habe. Ihr seht, wie es um meine Ruhe bestellt ist. Ihr schriebet, ihr habet mit dem zweiten Buch der Sentenzen begonnen, ich will mich morgen an den Brief an die Galater machen; freilich fürchte ich, wegen der hier grassierenden Pest bleibe ich in den Anfängen stecken ... Ihr ratet mir und M. Bartholomäus mit Euch zu fliehen. Aber wohin? Wozu? Ich hoffe, die Welt fällt nicht ein, wenn Bruder Martinus dahinsinkt. Die Brüder werde ich bei Zunahme der Pest rings im Lande verteilen. Ich bin hierher gestellt, der Gehorsam gestattet mir die Flucht nicht; ergeht ein Gegenbefehl an mich, so werde ich mich dem fügen. Es ist nicht so, dass ich den Tod nicht fürchte, denn ich bin kein Apostel Paulus, ich lege ihn nur aus; aber ich hoffe, der Herr wird mich aus meiner Furcht herausreißen.” (in: Weimarer Ausgabe Briefe 1, 72, 4 ff.)
Martin Luthers Brief an Johann Lang vom 1.3.1517: Thema: Erasmus von Rotterdam
“Ich lese unseren Erasmus und dabei vergeht mir die Lust an ihm alle Tage mehr. Zwar gefällt mir, dass er Mönche und Priester so tapfer wie umsichtig in ihrer eingewurzelten und verschlafenen Unwissenheit an den Pranger stellt und verdammt; aber ich fürchte, er treibt nicht genug Christus und Gottes Gnade ..: das Menschliche hat bei ihm viel mehr Gewicht als das Göttliche. Wiewohl ich nicht gern über ihn zu Gericht sitze, so tu ich´s doch, um Dich zu warnen, alles von ihm zu lesen oder gar urteilslos zu übernehmen. Denn die Zeiten sind heute gefährlich, und ich sehe, dass einer nicht schon darum ein wahrhaft weiser Christ ist, weil er gut Griechisch und Hebräisch kann ... Denn anders ist das Urteil, wo einer dem Willen des Menschen noch etwas zuschreibt (wie Erasmus), anders, wo einer außer der Gnade nichts kennt (wie Luther). Ich halte jedoch dieses Urteil streng bei mir, um nicht den Chor seiner Neider zu bestärken. Vielleicht wird ihm der Herr zu seiner Zeit Verstand geben.” (in: Weimarer Ausgabe Briefe 1, 90, 15 ff.)
Instruktion des Erzbischofs Albrecht von Mainz und Magdeburg und Bischofs von Halberstadt an seine Subkommissare, die den Ablasshandel im Jahre 1517 zu dirigieren hatten:
“Die erste Gnade, die zu erlangen ist, besteht in der vollkommenen Vergebung aller Sünden. Eine größere Gnade als diese gibt es nicht, denn der sündige Mensch erlangt dadurch ... Gottes Gnade wieder. Mit der Vergebung der Sünden werden auch die Strafen aufgehoben, die der Mensch im Fegfeuer dafür büßen muss, dass er die göttliche Majestät beleidigt hatte ... Dabei ist zu beachten, dass jeder im Herzen wahre Reue empfinde und beichte oder wenigstens den festen Willen hierzu habe, dass er dann sieben bestimmt bezeichnete Kirchen besuche und jedes Mal fünf Vater Unser und fünf Ave Maria spreche usw. Außerdem muss jeder eine nach seinem Stand und Vermögen bemessene Summe von 25 rheinischen Gulden an bis 1 ½ Gulden in den Ablasskasten legen. Die zweite Gnade ist ein Beichtbrief, der jedem gestattet, sich einen genehmen Beichtvater zu wählen ..., der einmal im Leben und angesichts des Todes auch von solchen Sünden lossprechen kann, die sich der Papst vorbehalten hat, der ferner einmal im Leben und in der Todesstunde vollen Ablass für alle Übertretungen zu gewähren, für alle Gelübde andre fromme Werke aufzulegen und das Abendmahl zu jeder Zeit zu reichen berechtigt ist. Die dritte Gnade befasst den Anteil an allen Schätzen der Gesamtkirche. Alle, die für den Bau der Peterskirche zu Rom Geld zahlen, und deren selig verstorbene Eltern sollen teilhaben an allen Bitten, Fürbitten, Almosen, Fasten, Gebeten, Wallfahrten. Die vierte Gnade gewährt den Seelen im Fegfeuer vollkommene Vergebung aller Sünden. Diese erteilt der Papst aus dem Schatz der Kirche unter der Bedingung, dass die Lebenden einen Beitrag in den Kasten legen... Diese Gnade sollen die Ablassprediger ganz besonders kräftig und angelegentlich empfehlen, weil den Seelen der Verstorbenen so am besten geholfen wird und auch für den Bau der Peterskirche reichlich Geld zusammenkommt.” (in: W. Koehler, Dokumente zum Ablaßstreit von 1517. Leipzig 1902, S. 104 ff.) “... Könige, Königinnen, deren Söhne, Erzbischöfe, Bischöfe und andere hohe Fürsten, die an die Orte, in denen das Kreuz aufgerichtet ist, zusammenströmen, oder sonstwie in dieser Gegend sich aufhalten, sollen wenigstens 24 rheinische Goldgulden zahlen. Äbte und höhere Prälaten von Kathedralkirchen, Grafen und Barone, andere mächtige Adelige und deren Gattinnen sollen jeder ohne Unterschied 10 Gulden zahlen. Andere Prälaten, Adelige geringeren Grades, Leiter hervorragender Stellen und alle anderen, die entweder aus ständigen Einkünften oder aus Warenhandel oder anderswoher gleichmäßig im Jahre gleiche 500 Gulden verdienen, sollen sechs gleiche Gulden bezahlen. Andere Bürger und Kaufleute, die gleichmäßig 200 Gulden Einnahmen haben, sollen 3 gleiche Gulden zahlen. Andere Bürger und Handwerkerkaufleute, die eigene Einnahmen und Gesinde haben, einen gleichen Gulden. Andere Minderbemittelte die Hälfte eines gleichen Guldens.” (in: W. Koehler, ebenda, S. 111 f) . “... Und war der Ablass so hoch geeehrt, dass, wenn man den Commissarium in eine Stadt einführte, so trug man die Bulla auf einem samtenen oder goldenen Tuch daher, und gingen alle Priester, Mönche, der Rat, Schulmeister, Schüler, Männer, Weiber, Jungfrauen und Kinder mit Fahnen und Kerzen, mit Gesang und Prozession entgegen. Da läutete man alle Glocken und schlug alle Orgeln, geleitete ihn in die Kirche, richtete ein rotes Kreuz mitten in der Kirche auf, da hängte man des Papstes Panier an usw., und in Summa: man hätte nicht wohl Gott selbst schöner empfangen und halten können.” (in: Friderici Myconii Historia reformationis ..., herausgegeben von W. S. Cyprian. Gotha 1715, S. 14)
Luthers 95 Thesen bezüglich des Ablasses, verkündet am 31. Oktober 1517:
“Liebe zur Wahrheit und der Wunsch, sie an den Tag zu bringen, sind die Gründe, dass über die nachstehenden Sätze eine Disputation zu Wittenberg in Aussicht genommen ist. Den Vorsitz dabei wird führen der ehrwürdige Vater Martin Luther, der freien Künste und der heiligen Theologie Magister und derselben ordentlicher Lehrer. Darum bittet er die, die nicht persönlich anwesend sein und mündlich mit uns disputieren können, dies abwesend durch Schriften zu tun. Im Namen unseres Herrn Jesu Christi. Amen.
(1) Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! (Matth. 4, 17) hat er gewollt, dass alles Leben der Gläubigen Buße sein soll.
(2) Dies Wort kann nicht von der sakramentlichen Buße verstanden werden, d.h. von dem Akt der Beichte und Genugtuung, der durchs Amt der Priester begangen wird.
(3) Doch meint es auch nicht nur die innerliche Buße, vielmehr ist keine innerliche Buße denkbar, die nicht zugleich nach außen wirke allerlei Ertötung des Fleisches.
(4) Daher währt auch die göttliche Strafe so lange, als der Mensch an sich selbst Gericht übt (das ist die wahre innere Buße), nämlich bis zum Eingang ins Himmelreich. ....
(30) Niemand ist sicher, ob seine Reue wahrhaftig sei, wie viel weniger, ob er vollkommen Erlass erlangt habe.
(31) Wie selten die sind, die wahrhaftig reuig sind, so selten sind auch die, welche wahrhaftig Ablass erwerben, d. h., ihrer sind sehr wenige. ....
(36) Jeglicher Christ hat, wenn er in aufrichtiger Reue steht, vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld, der ihm auch ohne Ablassbriefe gebührt.
(37) Jeder wahre Christ, ob lebend oder tot, hat Anteil an allen geistlichen Gütern Christi und der Kirche; Gott hat ihm diesen auch ohne Ablassbriefe gegeben. ...
(41) Vorsichtig soll man apostolischen (päpstlichen) Ablass predigen, damit das Volk nicht die falsche Meinung fasse, als wenn derselbe den andren guten Werken christlicher Liebe vorzuziehen sei.
(42) Man lehre die Christen, dass des Papstes Meinung nicht sei, das Ablasslösen irgendwie den Werken der Barmherzigkeit gleichzustellen.
(43) Man lehre die Christen, dass, wer dem Armen gibt oder dem Bedürftigen leiht, besser tut, als wenn er Ablass lösen wollte. ...
(62) Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes. ...
(65) Darum sind die Schätze des Evangeliums die Netze, mit denen man vorzeiten die reichen Leute gefischt hat.
(66) Die Schätze der Ablässe sind dagegen die Netze, mit denen man jetzt den Reichtum der Leute fischt. ...
(94) Man ermahne die Christen, dass sie ihrem Haupte Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen sich befleißigen.
(95) Und also mehr ihr Vertrauen darauf setzen, durch viele Trübsal ins Himmelreich einzugehen, als durch die Vertröstung: “es hat keine Gefahr.””
(in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe, 1, 233 ff)
Friedrich der Weise und seine Einstellung zu seinem Schützling Martin Luther:
“Und es war ein weises Bedenken Herzog Friedrichs, dass so oft er um des Doktors willen angeredet wurde, warum er ihn im Lande litt, er sprach: “Ich weiß nichts Böses von ihm. Ich habe mit ihm nichts zu tun. Tut er etwas Unrechtes, so disputiert und unterrichtet euch mit ihm zu Wittenberg; da habe ich eine Universität. Er soll euch Antwort stehen. Ich habe soviel gelehrte Leute zu Wittenberg; täte er etwas Unrechtes, sie würden ihn nicht dulden.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 5, 5375c (1540))
Papst Leos X. Bannandrohungsbulle “Exsurge Domine” vom 15. Juni 1520:
“Leo Bischof, ein Knecht der Knechte Gottes zu ewigem Gedächtnis. Herr, stehe auf und richte deine Sache, sei eingedenk der Schmähungen, die von den Unweisen täglich ergehen, neige deine Ohren zu unserem Flehen. Denn es sind Füchse aufgestanden, die sich unterwinden, deinen Weinberg zu verwüsten, dessen Kelter du allein getreten hast, und als du zu dem Vater im Himmel hast wollen fahren, desselben Weinbergs Sorge, Regierung und Verwaltung dem Petro als einem Haupt, und deinen Statthaltern, seinen Nachfolgern gleichermaßen als der triumphierenden Kirche befohlen hast. Denselben Weinberg unterwindet sich zu verderben ein wildhauend Schwein aus dem Walde, und ein sonderlich wildes Tier, ihn zu verzehren ... Denn es ist, was wir vor Angst des Gemüts und vor Schmerzen kaum aussagen mögen, durch Anzeigung glaubwürdiger Leute, und Berichte gemeinen Gerüchts an uns gelanget: ja wahrlich wir haben leider mit unseren Augen gesehen und gelesen viele und mannigfaltige Irrtümer, etliche, die bereits durch Konzilien und Satzungen unserer Vorfahren verdammt sind und der Griechen und Böhmen Ketzerei klärlich in sich begreifen, aber etliche andere augenscheinlich entweder ketzerisch oder falsch oder ärgerlich, oder die christlichen Ohren verletzend oder einfältige Gemüter verführend - von den falschen Dienern des Glaubens, die in ihrer Hoffart die Ehre der Welt begehren und wider die Lehre des Apostels St. Paulus weiser sein wollen, als sich gebühret ... Sonst aber ... wollen wir... denselben Martinum, seine Beipflichter, Begünstiger, Anhänger und Unterhalter... kraft dieser Schrift verdammen und wollen und gebieten, dass sie von allen Christgläubigen beiderlei Geschlechts als solche angesehen werden ... Weiter verbieten wir allen Christgläubigen, dass sie sich in keiner Weise unterstehen, Schriften ... von demselben Martino ..., damit sein Gedächtnis gänzlich aus der christgläubigen Gesellschaft ausgetilgt werde, zu lesen, auszusagen, zu predigen, zu loben, zu drucken ... , ja sie sollen dieselben verbrennen... Martinum, seine Beipflichter, Begünstiger, Anhänger und Unterhalter... bis auf unser Ersuchen gefangen (zu) halten und uns (zu) übersenden, dagegen sie für ein so gut Werk von uns und dem päpstlichen Stuhl eine würdige Belohnung und Vergeltung erlangen sollen.” (in: Walch, ebenda, 15, S. 1691 ff. (Nr. 444))
Der päpstliche Gesandte Hieronymus Aleander
Abb. 2: Der päpstliche Gesandte Hieronymus Aleander (1480-1542)
Der päpstliche Gesandte Aleander (Abb. 2) beschreibt in seinen Briefen nach Rom das religiös-politische Klima vor Martin Luthers Eintreffen in Worms im April 1521:
“Die für mich gemietete Wohnung verweigern sie mir selbst für mein Geld, da ich sie doch noch teurer als andere bezahlen will; mein Name auf der Tür wird ausgelöscht und tausend andere rohe und freche Streiche fallen vor, die höchst verwunderlich und kaum glaubhaft sind, wie ich auch nur davon schreibe, damit Eure Herrlichkeit völlig unterrichtet sei. Mehr Sorge bereitet mir das allgemein verbreitete Gerücht, dass Hutten und seine Freunde sich verschworen haben, mich zu ermorden. ...” (in: Paul Kalkoff: Die Depeschen des Nuntius Aleander vom Wormser Reichstage 1521. Halle 1886, S. 45)
“Ich übersende auch ein Schreiben Luthers an den Kaiser: als ihm dieses neulich (am 6. Februar) durch Herrn von Cistein als Vertreter Luthers überreicht wurde, in welchem er den Kaiser um gerechtes Urteil angeht, zerriss er es, wie man an beiliegendem Stücke sieht, und warf es auf den Boden: das war denn für den gesamten Reichstag ein deutlicher Fingerzeig dafür, wie der Kaiser über Luthers Sache denkt. Ich bitte Eure Herrlichkeit, wenn der Papst es gesehen hat, das Exemplar in der geheimen Abteilung der päpstlichen Bibliothek aufbewahren zu lassen, sofern dieser Vorschlag Beifall findet.” (in: Paul Kalkoff, ebenda, S. 78) “In Augsburg verkaufte man vor einiger Zeit das Bild Luthers mit dem Heiligenscheine, hier wurde es ohne denselben feilgeboten, und zwar unter so großem Zudrang, dass im Nu alle Exemplare verkauft waren, ehe ich mir eines verschaffen konnte. “ (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 79)
“Alle die vielen und großen Gefahren, denen ich stündlich ausgesetzt bin, kann und will ich nicht aufzählen: man glaubt mir doch nicht eher, als bis ich, was Gott verhüte, gesteinigt oder in Stücke gehauen bin von diesen Leuten, die, wenn sie mir auf der Straße begegnen, unfehlbar mit der Hand nach dem Schwertgriffe fahren, mit den Zähnen knirschen und mir mit einem deutschen Fluche eine Todesdrohung zurufen.” (in: Paul Kalkoff, ebenda, S. 81)
“In Antwerpen werden Luthers Schriften in spanischer Sprache gedruckt, vermutlich auf Betreiben der Maranni (spanische christlich gewordene Juden), die man von Flandern wieder nach Spanien zurückschaffen sollte; der Kaiser hat uns Abhilfe zugesagt. In Gent verkündigen die (Augustiner-)Eremiten Luthers Lehre auf allen Gassen als die Lehre des Apostels Paulus, ja als die Christi. Die Sprengel von Utrecht und Münster wie die übrigen niederdeutschen Bistümer sind, wie man dem Kaiser berichtet, von der Fäulnis der Ketzerei angesteckt; in Holland wird Luthers Lehre offen verbreitet: das kommt aber nur daher, dass Erasmus ein Holländer ist; auch die Räte des Kaisers wissen darum und sprechen es rückhaltlos aus.” (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 105)
“Der Kaiser hat der Universität Wien die Antwort zugehen lassen, dass sie die Bücher Luthers auf der Stelle verbrennen solle. Ferner hat er heute, wie mir der Beichtvater als Augenzeuge mitteilte, im Geheimen Rat beschlossen und angeordnet, dass einer seiner Sekretäre schleunigst nach Antwerpen und nach anderen Städten Flanderns abgehen soll, um die Bücher Luthers vollständig auszurotten und seine Anhänger festnehmen zu lassen und alle durchgreifendsten Vorkehrungen zu treffen.” (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 109).
“Nur um das Eine bitte ich Seine Heiligkeit flehentlich, wenigstens bis wir diese lutherische Frage beigelegt haben, die römische Politik mit der sorgfältigen Rücksicht zu betreiben, dass diese Leute, ich meine den Kaiser und seine Umgebung, dass ferner das ganze deutsche Volk nicht vor den Kopf gestoßen werde.” (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 117)
“Sehr zu verwundern ist es, dass einige Deutsche, die gegen Luther in deutscher und lateinischer Sprache schreiben, keine Drucker finden, und wenn sie wirklich einmal durch Geld und gute Worte den Druck ihrer Bücher durchsetzen, so werden diese schleunigst von den Lutherischen, die wie die Marannen gemeinsame Kassen führen, so weit sie zu erlangen sind, aufgekauft und sämtlich vernichtet.” (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 127).
Luthers Bereitschaft, nach Worms zu gehen, wird in seinem Brief an Spalatin vom 29. Dezember 1520 gezeigt:
“Ihr erbittet darin von mir Auskunft, was ich im Falle einer Vorladung durch Kaiser Karl tun werde. Ich meinerseits werde, soviel dann auf mich ankommt, einer Vorladung Folge leisten; wenn ich gesund nicht kommen kann, lasse ich mich krank hinführen. Denn daran darf es keinen Zweifel geben: ein Ruf des Kaisers bedeutet, dass ich von Gott gerufen werde. Ferner: Wenn sie, was wahrscheinlich ist, Gewalt anwenden - denn sie betreiben meine Vorladung gewiss nicht, um eines Besseren belehrt zu werden -, so muss die Sache dem Herrn befohlen werden. Denn der Gott lebt und regiert noch, der die drei Männer im Feuerofen des Königs von Babylon beschützt hat. Will er (mich) nicht schützen, so ist mein Haupt eine Kleinigkeit im Vergleich mit Christus, der zur höchsten Schmach, zum allgemeinen Ärgernis und zu vieler Verderben zu Tode gemartert wurde. Hier darf es keine Rücksicht auf Gefahr oder Wohl und Wehe geben; hier gibt es vielmehr nur eine Sorge: dass wir das Evangelium, mit dem wir angetreten sind, nicht dem Spott der Gottlosen preisgeben, dass wir den Feinden keinen Anlass zum Triumph über uns geben, als wagten wir kein freies Bekenntnis unserer Lehre, dass wir uns nicht fürchten, unser Blut für das Evangelium zu vergießen. Vor solcher Feigheit bei uns und solchem Triumph bei ihnen bewahre uns Christus in seiner Barmherzigkeit! Amen. ...Die Entscheidung, ob aus meinem Leben oder aus meinem Tod mehr oder weniger Gefahr für das Evangelium und das Gemeinwohl entsteht, liegt auf keinen Fall in unsern Händen. Ihr wisst, dass Gottes Wahrheit der Fels des Ärgernisses ist (Jes. 8, 14), gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel (Luk. 2,34). Soweit wir aber etwas zu sorgen haben, bleibt uns jetzt als einzige Aufgabe die Bitte zu Gott, Karl (V.) möge seine Herrschaft nicht damit beginnen, dass er mein oder eines andern Blut zum Schutz der Gottlosigkeit vergießt. Lieber wollte ich, wie ich schon oft sagte, allein in den Händen der Romanisten verderben, als dass seine Hände in die Sache verstrickt würden... Soll´s aber dennoch geschehen, dass auch ich (wie Johannes Hus) nicht nur der Priesterschaft, sondern auch der Welt in die Hände falle, so geschehe des Herrn Wille. Amen. Damit habt Ihr meine Meinung und meinen Willen. Erwartet alles von mir, aber nicht Flucht und Widerruf. Ich will nicht fliehen, noch viel weniger widerrufen. Darin stärke mich der Herr Jesus. Keines von beiden könnte ich ja tun ohne Gefahr für den Glauben und das Heil vieler ... Lebet wohl und seid stark in dem Herrn.” (in: Weimarer Ausgabe Briefe 2, 242, 5ff.)
Luthers Ankunft in Worms am 16. April 1521 (beschrieben vom Nuntius Aleander):
“Schon hatte ich meinen letzten Brief geschlossen, als ich soeben aus verschiedenen Meldungen sowie aus dem hastigen Rennen des Volkes entnahm, dass der große Ketzermeister seinen Einzug hielt. Ich schickte einen meiner Leute aus, der mir berichtete, dass ihm gegen hundert Reisige (bewaffnete Kämpfer) vermutlich die Sickingens, bis an das Stadttor das Geleit gaben: mit drei Genossen in einem Wagen sitzend, zog er (um 10 Uhr vormittags) in die Stadt ein, umgeben von etwa acht Berittenen und nahm seine Herberge in der Nähe seines sächsischen Fürsten (in einem Haus der Johanniterritter); beim Verlassen des Wagens schloss ihn ein Priester in seine Arme, rührte dreimal sein Gewand an und berühmte sich im Weggehen, als hätte er eine Reliquie des größten Heiligen in Händen gehabt; ich vermute, es wird bald von ihm heißen, er tue Wunder. Dieser Luther, als er vom Wagen stieg, blickte mit seinen dämonischen Augen im Kreise umher und sagte: “Gott wird mit mir sein.” Dann trat er in eine Stube, wo ihn viele Herren aufsuchten, mit deren zehn oder zwölf er auch speiste, und nach der Mahlzeit lief alle Welt hin, ihn zu sehen.” (in: Paul Kalkhoff, ebenda, S. 166)
Luther vor dem Reichstag am 18. April 1521 bei der Verteidigung seiner Lehre:
“... Die andere Art meiner Bücher ist die, darinnen das Papsttum und der Papisten Lehre angegriffen und angetastet wird, als die, so mit ihrer falschen Lehre, bösem Leben und ärgerlichen Exempeln die Christenheit an Leib und Seele verwüstet haben. ... So ich nun diese widerrufen würde, so würde ich nichts anderes tun, denn dass ich ihre Tyrannei stärkte und solcher großer Impietät und gottlosem Wesen nicht allein die Fenster, sondern auch Tür und Tor auftäte, so dass sie viel weiter und freier wüten und toben würden, denn sie bisher haben tun dürfen ... Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen überwunden und überwiesen werde – denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilien allein nicht, weil es am Tage und offenbar ist, dass sie oft geirrt haben und sich selbst widerwärtig gewesen sind – und ich also mit den Sprüchen, die von mir angezogen und eingeführt sind, überzeugt, und mein Gewissen in Gottes Wort gefangen sei, so kann und will ich nichts widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir ! Amen.” (in: Martin Luthers Werke, Ausgabe Wittenberg 1569, Bd. 9, S. 110, b)
Über Luthers Erleichterung nach Beendigung dieses Verhörs berichtet ein gewisser Sixt Ölhafen:
“... Jetzt ist er vor einer Stunde wieder heim in seine Herberge gegangen, daselbst ich gewartet, ihn zu sehen. Als er in die Herberge einging, reckt er in meiner und anderer Gegenwart die Hände auf, und mit fröhlichem Angesicht schrie er: “Ich bin hindurch, ich bin hindurch!” Ich war heute auch auf dem Wege zuzuhören, da er seine Rede getan; es war aber da solch übergroßes Gedränge, dass ich nicht bleiben mochte. Item wo er über die Gasse ging, stand sie allerwege voll Menschen, ihn zu sehen, und ist ein großes Wesen und Reden von ihm.” (in: Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe, Bd. 2, S. 852)
Kaiser Karls V. persönliches Urteil gegen Luther:
“Ihr wisst, dass ich abstamme von den allerchristlichsten Kaisern der edlen deutschen Nation, von den katholischen Königinnen von Spanien, den Erzherzögen von Österreich, den Herzögen von Burgund, die alle bis zum Tode getreue Söhne der katholischen Kirche gewesen sind, Verteidiger des katholischen Glaubens, der geheiligten Bräuche, Dekrete und Gewohnheiten des Gottesdienstes, die das alles mir nach ihrem Tode als Vermächtnis hinterlassen haben und nach deren Beispiel ich bislang auch gelebt habe. So bin ich entschlossen, festzuhalten an allem, was seit dem Konstanzer Konzil geschehen ist. Denn es ist sicher, dass ein einzelner Bruder irrt, wenn er gegen die Meinung der ganzen Christenheit steht, da sonst die Christenheit tausend Jahre und mehr geirrt haben müsste. Deshalb bin ich entschlossen, meine Königreiche und Herrschaften, Freunde, Leib und Blut, Leben und Seele einzusetzen. Denn das wäre eine Schande für uns und für Euch, Ihr Glieder der edlen deutschen Nation, wenn in unserer Zeit durch unsere Nachlässigkeit auch nur ein Schein der Häresie und Beeinträchtigung der christlichen Religion in die Herzen der Menschen einzöge. Nachdem wir gestern die Rede Luthers hier gehört haben, sage ich Euch, dass ich bedauere, so lange gezögert zu haben, gegen ihn vorzugehen. Ich werde ihn nie wieder hören; er habe sein Geleit; aber ich werde ihn fortan als notorischen Ketzer betrachten und hoffe, dass Ihr als gute Christen gleichfalls das Eure tut.” (in: Paul Kalkhoff, S. 179)
Als der Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg und Bischof von Halberstadt erneut den Ablasshandel in Gang setzen möchte, will Martin Luther aus seiner geheimen Unterkunft auf der Wartburg mit einer neuen Schrift gegen diese Praxis vorgehen. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise verbietet dieses. Luthers Reaktion darauf zeigt sich in seinem Brief an Spalatin vom 11.11.1521:
“Seid gegrüßt! Einen widerwärtigeren Brief habe ich kaum je gelesen, als den Ihr mir zuletzt schriebet, so dass ich nicht nur die Antwort aufschob, sondern schon beschlossen hatte, Euch überhaupt nicht zu antworten. Vor allem will ich nicht leiden, wenn Ihr saget, der Kurfürst werde eine Schrift gegen den Mainzer Bischof oder sonst eine Störung der öffentlichen Ruhe nicht dulden. Lieber will ich Euch und den Kurfürsten selbst und alle Kreatur zugrunde richten. Wenn ich nämlich dem Papst, der den Mainzer (Erzbischof) gemacht hat, Widerstand geleistet habe, warum soll ich dann seinem Gemächte weichen? Es ist schön von Euch, dass Ihr die öffentliche Ruhe nicht gestört sehen wollt; aber dass die ewige Ruhe Gottes gestört wird durch das gottlose, tempelschänderische, verderbliche Treiben dieses Menschen - das wollt Ihr hingehen lassen? Mitnichten, Spalatin! Mitnichten, Kurfürst! Sondern für die Schafe Christi muss man mit höchster Kraft diesem greulichsten Wolf Widerstand leisten, für andere zum warnenden Beispiel. Deshalb übersende ich das Büchlein gegen ihn, das schon fertig war, als Euer Brief kam. Dieser hat mich in keinem Punkt zu irgendwelcher Änderung veranlasst, obwohl ich es der Kritik Philipp (Melanchthons) hatte unterbreiten wollen, damit er nach Gutdünken ändere. Hütet Euch also, das Buch etwa vor Philipp zu unterschlagen oder (ihm davon) abzuraten. Es ist beschlossene Sache, dass man auf Euch nicht hören wird.” (in: Weimarer Ausgabe Briefe 2, 402, 3 ff.)
Die Wirkung von Luthers deutschen Bibel aus der Sicht seines erbitterten Gegners Cochlaeus:
“Ehe denn aber Emsers Arbeit an den Tag gegeben, war Luthers Neues Testament (erschienen im September 1522) durch die Buchdrucker dermaßen gemehrt und in so großer Anzahl ausgesprengt, also dass auch Schneider und Schuster, ja auch Weiber und andere einfältige Idioten, soviel deren dies neue lutherische Evangelium angenommen, wenn sie auch nur ein wenig Deutsch auf einem Pfefferkuchen lesen gelernt hatten, dieselbe gleich als einen Bronnen aller Wahrheit mit höchster Begierde lasen. Etliche trugen dasselbe mit sich im Busen herum und lernten es auswendig. Daher maßen sie sich in der Folgezeit innerhalb weniger Monate soviel Geschicklichkeit und Erfahrung selber zu, dass sie keine Scheu trugen, nicht allein mit den katholisch gemeinen Laien, sondern auch mit Priestern und Mönchen, ja auch mit Magistern und Doktoren der Heiligen Schrift vom Glauben und Evangelium zu disputieren. Ja es fanden sich auch armselige Weiber, die sich mit offenen ausgegangenen deutschen Büchern und fürgestellten Propositionen aus geiler Verachtung der angeblichen Unwissenheit der Männer nicht allein mit Laien und sonderen Privatpersonen, sondern auch mit Lizentiaten, Doktoren und ganzen Universitäten austaten, sich in Disputationen einzulassen, wie es sich an Argula von Staufen, einer von Adel, deutlich gezeigt ...” (in: Johannes Cochlaeus, Historia Martini Lutheri ... Deutsch von Chr. Hueber, Ingolstadt 1582, S. 120 ff.)
Im März 1523 gibt Martin Luther seine Schrift “Von weltlicher Obrigkeit, wieweit man ihr Gehorsam schuldig sei” heraus:
“Ich möchte aber den verblendeten Leuten den wohlgemeinten Rat geben, sich vor einem ganz kleinen Sprüchlein in acht zu nehmen, das in Psalm 107,40, steht: “Er schüttet Verachtung auf die Fürsten.” Ich schwöre euch bei Gott: werdet ihr´s übersehen, dass dieses kleine Sprüchlein über euch in Schwang kommt, so seid ihr verloren, wenn auch jeder von euch so mächtig wie der Türke wäre, und euer Schnauben und Toben wird euch nichts helfen. Es hat schon zum guten Teil begonnen. Denn es gibt nur ganz wenige Fürsten, die man nicht für Narren oder Buben hält; das kommt daher, dass sie sich auch so aufführen. Und der gemeine Mann wird verständig, und die Strafe für die Fürsten, die Gott “Verachtung” heißt, nimmt gewaltig überhand unter dem Volke und beim gemeinen Mann; ich befürchte, es werde ihm nicht zu wehren sein, wenn nicht die Fürsten sich fürstlich benehmen und wieder anfangen, mit Vernunft und Bedacht zu regieren. Man wird nicht, man kann nicht, man will nicht Eure Tyrannei und Euren Mutwillen auf die Dauer leiden. Liebe Fürsten und Herren, lernet euch danach zu richten; Gott will´s nicht länger haben. Es ist jetzt nicht mehr dieselbe Welt wie früher, da ihr die Menschen wie das Wild jagen und treiben konntet. Darum lasst ab von Eurem Frevel und Eurer Gewalttat, bemüht Euch, gerecht zu handeln, und lasst Gottes Wort seinen Lauf nehmen, den es nun einmal haben will, muss und soll und den ihr nicht wehren werdet. Tritt Ketzerei auf, die überwinde man, wie sich´s gebührt, mit Gottes Wort. Werdet ihr aber zuviel zum blanken Schwert greifen, so sehet zu, dass nicht einer komme, der es euch einstecken heißt – nicht in Gottes Namen!” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 11, 270, 9 ff. (1523)).
Im Januar 1527 gab Martin Luther seine Schrift: “Ob Kriegsleute auch im seligen Stande sein können - Grenzen des Gehorsams” heraus:
“Wenn du gewiss weißt, dass er unrecht hat, so sollst du Gott mehr fürchten und gehorchen als Menschen (Apostelgeschichten 5, 29) und sollst nicht Kriegführen und dienen, denn du kannst dabei kein gutes Gewissen vor Gott haben. “Ja”, sagst du, “mein Herr zwingt mich, nimmt mir mein Leben, gibt mir mein Geld, meinen Lohn und Sold nicht, dazu würde ich vor der Welt verachtet und geschmäht als ein Feigling, ja als ein Treuloser, der seinen Herrn in der Not verlässt.” Antwort: Das musst Du wagen und um Gottes willen geschehen lassen, was nun einmal geschieht. Er kann dir´s wohl hundertfach wiedergeben, wie er im Evangelium verheißt: “Wer um meinetwillen verlässt Haus, Hof, Weib, Gut, der soll es hundertfältig wiederkriegen” (Matth. 19, 29). Man muss doch auf solche Gefahr auch bei allen andern Werken gefasst sein, wenn die Obrigkeit dazu zwingt, Unrecht zu tun. Aber weil Gott auch Vater und Mutter verlassen haben will um seinetwillen, so muss man gewiss auch einen Herrn verlassen um seinetwillen usw. Wenn du aber nicht weißt oder nicht erfahren kannst, ob dein Herr im Unrecht ist, sollst du den gewissen Gehorsam um des ungewissen Rechts willen nicht schwächen, sondern nach Art der Liebe deinem Herrn das Beste zutrauen. Denn “die Liebe glaubt alles” (1. Kor. 13, 7) und “denkt nichts Arges” (1. Kor. 13, 5).” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 19, 656 f. (1526)).
Martin Luther in seiner Schrift “Vom Kriege wider die Türken” vom 23. April 1529:
“Des Kaisers Schwert hat nichts zu schaffen mit dem Glauben; es gehört in leibliche, weltliche Sachen ...” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 30, 2, 117f f. (1529)).
Folgenden Brief schrieb Martin Luther am 19.6.1530 an seinen damals vierjährigen Johannes, der mit Kosenamen “Hänschen” gerufen wurde:
“Meinem herzlieben Sohn Hänschen Luther in Wittenberg. Gnade und Friede in Christus! Mein herzlieber Sohn, ich höre sehr gerne, dass du eifrig lernst und fleißig betest. Tu das, mein Sohn, und fahre dahin fort. Wenn ich heimkomme, will ich Dir ein schönes Marktgeschenk mitbringen. Ich weiß einen hübschen, schönen Lustgarten. Da gehen viele Kinder drin, haben goldene Röcklein an und lesen schöne Äpfel unter den Bäumen auf und Birnen, Kirschen, Mirabellen und Pflaumen, singen, springen und sind fröhlich. Sie haben auch schöne kleine Pferdlein mit goldenen Zäumen und silbernen Sätteln. Da fragt ich den Mann, des der Garten ist, wem die Kinder gehören. Da sprach er: Es sind die Kinder, die gern beten, lernen und fromm sind. Da sprach ich: Lieber Mann, ich habe auch einen Sohn, der heißt Hänschen Luther; könnte er nicht auch in den Garten kommen, dass er auch so schöne Äpfel und Birnen essen und so feine Pferdlein reiten und mit diesen Kindlein spielen dürfte? Da sprach der Mann: Wenn er gerne betet, lernt und fromm ist, so soll er auch in den Garten kommen, Lippus und Jost (Söhne von Melanchthon und Jonas) auch. Und wenn sie alle zusammen kommen, so werden sie auch Pfeifen, Pauken, Lauten und allerhand anderes Saitenspiel bekommen, dürfen auch tanzen und mit kleinen Armbrüsten schießen. Und er zeigt mir dort eine feine Wiese im Garten, zum Tanzen zugerichtet; da hingen lauter goldene Pfeifen und Pauken und feine silberne Armbrüste. Aber es war noch früh und die Kinder hatten noch nicht gegessen. Darum konnte ich nicht auf den Tanz warten und sprach zu dem Mann: Ach, lieber Herr, ich will schnell hingehen und das alles meinem lieben Sohn Hänschen schreiben, dass er gewiss fleißig lernt, eifrig betet und fromm ist, damit er auch in diesen Garten kommt. Aber er hat eine Muhme Lene, die muss er mitbringen. Da sprach der Mann: So soll es sein; geh hin und schreib´s ihm also. Darum, lieber Sohn Hänschen, lerne und bete ja getrost und sage es Lippus und Jost auch, dass sie auch lernen und beten, so werdet ihr miteinander in den Garten kommen. Sei hiermit dem lieben Gott befohlen und grüße Muhme Lene und gib ihr einen Kuss von meinetwegen. Dein lieber Vater Martin Luther”. (in: Weimarer Ausgabe Briefe 5,377, 1ff.)
Martin Luther bezüglich seiner Bibelübersetzung ins Deutsche in seinem “Sendbrief vom Dolmetschen”, aus dem Jahre 1530:
“Ich habe mich des geflissen im Dolmetschen, dass ich rein und klar Deutsch geben möchte. Und ist uns oft begegnet, dass wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben´s dennoch zuweilen nicht gefunden. Im Hiob arbeiteten wir also, M. Philipps, Aurogallus und ich, dass wir in vier Tagen zuweilen kaum drei Zeilen fertigen konnten. Lieber, nun es verdeutscht und bereit ist, kann´s ein jeder lesen und meistern; läuft einer jetzt mit den Augen durch drei oder vier Blätter und stößt nicht einmal an, wird aber nicht gewahr, welche Wacken und Klötze da gelegen sind, da er jetzt über hin gehet, wie über ein gehobeltes Brett, da wir haben schwitzen müssen und uns ängstigen, ehe denn wir solche Wacken und Klötze aus dem Wege räumten, auf dass man könnte so ein daher gehen. Es ist gut pflügen, wenn der Acker gereinigt ist; aber den Wald und die Stöcke ausrotten und den Acker zurichten, da will niemand an. ... Denn man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt darum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; so verstehen sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet ... Doch habe ich wiederum nicht allzu frei die Buchstaben lassen fahren, sondern mit großen Sorgen samt meinen Gehilfen drauf gesehen, dass, wo etwa an einem Worte gelegen ist, habe ich´s nach den Buchstaben behalten und bin nicht so frei davongegangen ... ich habe eher wollen der deutschen Sprache abbrechen, denn von dem Wort weichen. Ach, es ist ja Dolmetschen nicht eines Jeglichen Kunst, wie die tollen Heiligen meinen; es gehöret dazu ein recht frommes, treues, fleißiges, furchtsames, christliches, gelehrtes, erfahrenes, geübtes Herz ...” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe, 30, 2, 636, 15 ff.)
Martin Luther bezüglich der Trennung der weltlichen und geistlichen Gewalt in seinem Brief an Daniel Greiser vom 22. Oktober 1543:
“Gnade und Frieden! Von der Form des Bannes, lieber Daniel, wie man es sich an Eurem (Dresdener) Hof herausnimmt, kann ich nichts Gutes erwarten. Denn wenn das kommen wird, dass die Höfe nach ihrem Belieben die Kirchen regieren wollen, so wird Gott keinen Segen dazu geben und die Gegenwart wird schlimmer sein als die Vergangenheit. Denn was nicht aus dem Glauben geht, ist nicht gut (Röm. 14, 23); was aber ohne Berufung geschieht, geschieht zweifellos ohne Glauben und wird zunichte. Deshalb sollen sie entweder selbst Pfarrer werden, predigen, taufen, Kranke besuchen, das Abendmahl austeilen und alle kirchlichen Dinge besorgen –, oder aber sollen sie aufhören, die Berufungen durcheinander zu bringen, für ihre eigenen Höfe sorgen und die Kirchen denen überlassen, welche für sie berufen sind, welche Gott dafür Rechenschaft geben werden. Es ist unerträglich, dass andere handeln und uns mit der Verantwortung belasten. Wir wollen, dass die Ämter der Kirche und des Hofes getrennt bleiben, oder (man soll) beides aufgeben. Satan fährt fort Satan zu sein. Unter dem Papst mischte er die Kirche in die Politik, in unserer Zeit will er die Politik in die Kirche mischen. Aber so Gott will, werden wir Widerstand leisten und gedenken, soweit es in unseren Kräften steht, die Trennung der Berufungen aufrechtzuerhalten. Leb wohl im Herrn und bete für mich.” (in: Weimarer Ausgabe Briefe 10, 436, 3 ff.)
Martin Luthers Schrift “Warnung an seine lieben Menschen” aus dem Jahre 1531:
“Das ist mein treuer Rat: Wenn der Kaiser zum Krieg rüsten und gegen unsere (evangelische) Partei um päpstlichen Interesses oder um der Lehre willen Krieg anfangen wollte, wie die Papisten sich dessen zur Zeit greulich rühmen und trotzen (wessen ich mich aber zum Kaiser noch nicht versehe), so soll in solchem Fall kein Mensch sich dazu gebrauchen lassen, noch dem Kaiser gehorchen. Und wer ihm gehorcht, der soll wissen, dass er Gott ungehorsam ist und Leib und Seele ewiglich durch den Krieg verlieren wird. Denn der Kaiser handelt dann nicht nur gegen Gott und göttliches Recht, sondern auch gegen sein eigenes kaiserliches Recht, Eide, Pflicht, Siegel und Briefe.” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 30, 3, 291, 20 ff. (1531)).
Martin Luthers Gedanken über die Funktion der Kirche bezüglich Eheangelegenheiten:
“Wir (seine Tischgenossen) fragten ihn, was der Pfarrer in Ehesachen tun solle; ob wir uns mit gutem Gewissen diese lästigen Dinge vom Leibe halten könnten? Er antwortete: “Ich rate auf alle Fälle, dass wir dieses Joch nicht auf uns nehmen. Erstens haben wir genug Arbeit in unserem eigentlichen Amt. Zweitens geht die Ehe die Kirche nichts an; sie ist eine bürgerliche Angelegenheit und gehört darum zur Obrigkeit. Drittens sind diese Angelegenheiten uferlos, erstrecken sich in die höchste Höhe, Breite und Tiefe und erzeugen viel Ärgernisse, die dem Evangelium zur Unehre gereichen.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 4, 4716)
Martin Luther über “Geduld”:
“Ich muss Geduld haben mit dem Teufel; ich muss Geduld haben mit den Schwärmern, ich muss Geduld haben mit den Scharrhansen, ich muss Geduld haben mit der Käthe von Bora, und es ist der Geduld noch so viel, dass mein ganzes Leben nichts andres sein will als Geduld.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 2, 2173b)
Martin Luthers Fabeln und Sprüche:
Der Krebs und die Schlange: “Ein Krebs wollte über Land reisen, unterwegs kommt er zur Schlange, die wird sein Gefährte. Nun windet und schlingt sich die Schlange und geht die Quer und macht sich krumm; der Krebs, der auf viel Beinen übel zu Fuße war, folgt seinem schlimmen und ungeraden Wandergesellen und geht sich außer Atem, helligt und mergelt sich in dieser schweren Reise ab. Wie es Abend wird, kehren sie beide unter einem Strauch ein, die Schlange legt sich in Ring und fähet an zu schlafen und zu schnarchen. Der Krebs ist müde, und will kein Schlaf in seine Augen, und tut ihm das Schnarchen und Zischen wehe, und will die Schlange stoßen, dass sie still liege. Wie sie auffährt und will sich wehren, ergreift er sie mit seiner Schere beim Kopf und drückt hart zu, bis ihr der Atem ausgeht; da streckt sie sich die lange Länge aus und liegt so tot fein grad. “Ei”, sagt der Krebs, “wenn du heut so grad gegangen wärest, hätte ich auch besser folgen können.” (in: Martin Luther, dargestellt von seinen Freunden und Zeitgenossen, Berlin 1933, S. 214)
Vom Löwen, Fuchs und Esel: “Ein Löwe, Fuchs und Esel jagten miteinander und fingen einen Hirsch. Da hieß der Löwe den Esel das Wildbret teilen. Der Esel macht drei Teil, des ward der Löwe zornig und reißt dem Esel die Haut übern Kopf, dass er blutrüstig (= blutüberströmt) dastund. Und hieß den Fuchs das Wildbret teilen. Der Fuchs stieß die drei Teil zusammen und gab sie dem Löwen gar. Des lachet der Löwe und sprach: “Wer hat dich so lehren teilen?” Der Fuchs zeiget auf den Esel und sprach: “Der Doktor da im roten Parret.” Diese Fabel lehrt zwei Stücke: Das erste, Herrn wollen Vorteil haben und man soll mit Herrn nicht Kirschen essen, sie (be)werfen einen mit den Stielen. Das andere,... das ist ein weiser Mann, der sich an eines andern Unfall bessern kann.” (in: Martin Luthers Werke, Kritische Ausgabe 50, S. 457)
Warum Frauen dümmer als Männer sind: “Männer haben eine breite Brust und kleine Hüften, darum haben sie auch mehr Verstand denn die Weiber, welche enge Brüste haben und breite Hüften und Gesäß, da sie sollen daheim bleiben, im Hause sitzen, haushalten, Kinder tragen und ziehen.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 1, 55)
Was er am weiblichen Geschlecht nicht leiden kann: “Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frau oder Jungfrau übler ansteht, als wenn sie klug sein will.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 2, 1555)
Die weiblichen Brüste und ihre Funktion laut Martin Luthers:
“Muttermilch ist der Kinder beste Nahrung, Trank und Speise, denn sie nähret wohl. Wie denn auch die jungen Kälber mehr zunehmen von der Milch, die sie saugen, als von allem anderen Futter; also werden auch die Kinderlein stärker, die lange gestillt werden. Brüste sind eines Weibes Schmuck, wenn sie ihre Proportionen haben; große und fleischliche sind nicht die besten, stehen auch nicht sonderlich wohl, verheißen viel und geben wenig. Aber Brüste, die voller Adern und Nerven sind, auch wenn sie klein, stehen wohl auch an kleinen Weibern, haben viel Milch, damit sie viele Kinder stillen können.” (in: Weimarer Ausgabe Tischreden 2, 1554)
Sprichwörterauswahl (Original Martin Luther):
  • Wer weiß, wer des andern Schwager ist?
  • Vieler Hände machen leicht Arbeit.
  • Eine offenbare Lüge ist keiner Antwort wert.
  • Wer über sich hauet, dem fallen die Späne in die Augen.
  • Der Katzen Spiel ist der Mäuse Tod.
  • Wer flieht, den jagt man.
  • Wer den andern jagt, wird auch müde.
  • Jenseits des Berges sind auch Leute.
  • Der wollt gerne scheißen, wenn er Dreck im Bauch hätte (= Er will sich etwas leisten, wozu ihm das Vermögen fehlt)
  • Scheiß in die Bux und hänge sie an den Hals!
  • Wer´s kann, dem kommt´s.
  • Er lässt kein Spinngeweb vors Maul.
  • Ich muss tun, als hätte mich ein Hund gebissen.
  • Hier ist Mühe und Arbeit verloren.
  • Im großen Wasser fängt man große Fische, im kleinen Wasser gute Fische.
  • Er hat Hummeln im Arsch.
  • Er hat Grillen im Kopf.
  • Lang ist nicht ewig.
  • Aus hohlem Topf reden.
  • Wer es riecht, dem es (aus dem Hintern) kriecht.
  • Frauen soll man loben, sei es wahr oder erlogen.
  • Wer die Nase in alle Winkel steckt, der klemmt sich gerne.
  • Guter Rat kommt nie zu spät.
  • Kann weder gackern noch Eier legen.
  • Man erkennet den Vogel an den Federn.
  • Wo die Hunde bellen, ist das Dorf nicht weit.
  • Hüt dich vor den Katzen, vorne lecken, hinten kratzen.
  • Wenn man den Bauern unter die Bank steckt, ragen doch die Beine vor.
  • Kleinen Leuten liegt der Dreck nahe.
  • Der Kuckuck ruft seinen eigenen Namen.
  • Wer nichts zu reiten hat, der mag gehen.
  • Kitzle dich nicht selbst! – Du lachst dich tot.
  • Es muss ein magrer Braten sein, wenn´s nicht tropft.
  • Wo Tauben sind, da fliegen Tauben zu.
  • Wer einen Pfennig nicht ehrt, wird keines Gulden Herr.
  • Wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen.
  • Ein freundlich Angesicht deckt alles (zu).
  • Ein freundlicher Wirt ist das beste Gericht.
  • Dreck löscht auch Feuer.
  • Ich hab´s im Sinn – hätt ich´s im Beutel!
  • Was wäre Dreck, wenn er nicht stinkt.
  • Dich wird nach der Sonne frieren.
  • Es tanze jeglicher auf seinen Füßen.
  • Über den Zaun gucken hält gute Nachbarschaft.
  • Lass dir die Sonn in den Arsch scheinen.
  • Er lässt die Finger gern ankleben.
  • Wer bei den Wölfen sein will, muss mit ihnen heulen.
  • Ein großer Vogel muss ein großes Nest haben.
  • Kannst´s an der Wiege sehen, wenn sich das Kind beschissen hat.
  • Es nützt dir soviel wie das Pissen gegen den Wind.
  • Torheit macht Arbeit.
  • Einen schweren Stein kann man nicht weit werfen.
  • Wer ein Ding nicht bessern kann, der lass das böse stehn.
  • Er ist klüger als die Henne.
  • Wenn´s Ende gut ist, so ist alles gut.

(in: Martin Luthers Werke, Kritische Gesamtausgabe 51, S. 645-662; zitiert in: Dem Luther aufs Maul geschaut. Ausgewählt und eingeleitet von Thomas Maess, Wiesbaden, 1983, 2. Auflage, S. 97-100)


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