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Frohe Weihnachten / Merry Christmas

Eine wunderschöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 wünscht Ihnen, meine lieben Leser und Leserinnen, Ihre Maike Vogt-Lüerssen von Downunder.

Möge das nächste Jahr für Sie mit Gesundheit, Freude, Spaß, Liebe und netten Überraschungen gefüllt sein! Ganz besonders möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die meine Bücher und E-Books gekauft haben und mir damit ermöglichen, meiner großen Leidenschaft, der Geschichte, weiterhin nachgehen zu können.

Martin Luther

Luthers Wittenberg heute - eine wunderschöne Zeitreise (Photoalbum)

Holger und ich verbrachten drei sehr schöne Tage, vom 23. bis zum 25. April 2012, in Luthers Wittenberg. Für mich als Historikerin war es der Höhepunkt unserer Reise nach Europa. Hier auf dem Bild sehen Sie die Unterkunft, die wir uns ausgesucht hatten: das Hotel Alte Canzley auf dem Schlossplatz 3, das ich Ihnen allen nur auf das Wärmste empfehlen kann. Das Hotel hat ebenfalls eine lange Geschichte, denn es war für viele Jahrhunderte die Residenz der Kanzler der mächtigen sächsischen Kurfürsten.

Justus Jonas (1493-1555)
Im Hotel Alte Canzley gibt es acht Appartements, die die Namen berühmter Männer tragen: Appartement 1 = William Shakespeare; Appartement 2 = Peter der Große; Appartement 3 = Michael Agricola; Appartment 4 = Giordano Bruno; Appartement 5 = Justus Jonas; Appartement 6 = Gustav Adolf von Schweden; Appartement 7 = Erasmus von Rotterdam und Appartement 8 = Martin Luther King. Wir kamen im Appartement 5, den Zimmern des Juristen und Reformatoren Justus Jonas, dem ehemaligen Propst der Wittenberger Schlosskirche und einem der rhetorisch gewandtesten Predigern seiner Zeit, unter, der zudem ein sehr enger Freund von Martin Luther war. Bei unserem nächsten Besuch in Wittenberg werde ich das Appartement 4 oder 7 wählen, da ich ein sehr großer Fan von Giordano Bruno und Erasmus von Rotterdam bin.

Von unserem Hotel (auf der rechten Seite) konnten wir von unseren Fenstern aus auf die Schlosskirche schauen, die man im Jahr 1996 zur UNESCO-Weltkulturstätte erklärt hatte.

Wichtige Informationen für den Altstadtrundgang (hier die größere Version)

Zeitgerechte Kleidung
Für unsere Zeitreise in Luthers Wittenberg hätten wir uns eigentlich zeitgerecht kleiden müssen. Aber die Kleidung der Frauen im 16. Jahrhundert ist für uns Frauen aus dem 21. Jahrhundert nicht besonders ansprechend. Die Frauen in dieser Zeitepoche hatten sich wie einige unserer heutigen mohammedanischen Zeitgenossinnen fast völlig verhüllen müssen. (Drei Damen von der Familie des Herrn Veit Oertel aus Wittenberg, 1586)

Die berühmte Schlosskirche in Wittenberg
Der Bau der Schlosskirche begann im Jahr 1496. Die Weihung der Kirche konnte bereits im Jahr 1503 vorgenommen werden. Im Jahr 1507 wurde sie der Universität von Wittenberg angegliedert und fortan als akademisches Gotteshaus und Auditorium verwendet. Im Jahr 1517 schlug Martin Luther hier seine 95 Thesen an die Tür des Hauptportals. Schließlich führte man im Jahr 1524 in der Kirche den evangelischen Gottesdienst ein. Die ursprüngliche Schlosskirche brannte jedoch im Jahr 1760 während des Siebenjährigen Krieges durch Kanonenbeschuss aus. Hierbei gingen die Thesentür und die Innenausstattung verloren. Die Kirche wurde daher in schlichter Form im Jahr 1770 wiederhergestellt. Im Jahr 1858 stiftete der preussische König Friedrich Wilhelm IV. eine neue Thesentür aus Bronze, und von 1885 bis 1892 wurde die Schlosskirche schließlich im neugotischen Stil umgestaltet.

Ein Blick auf die Schlosskirche mit der im Jahr 1858 erstellten bronzenen Thesentür

Die bronzene Thesentür

Luthers 95 Thesen auf der bronzenen Tür und ...

... hier in gedruckter Form, die als Auslöser der Reformation gelten
Die 95 Thesen waren in Latein geschrieben worden und waren eigentlich nur für Martin Luthers Kollegen an der Universität gedacht gewesen. Jonas Justus übersetzte sie schließlich in die deutsche Sprache. Aber da zu dieser Zeit im Allgemeinen nur rund 10 % der Bevölkerung lesen konnte – wenn wir auch annehmen dürfen, dass es in Wittenberg als Universitätsstadt mehr Menschen gegeben hat, die des Lesens und Schreibens kundig waren –, erfuhr die Mehrheit der Stadtbewohner erst durch die Mundpropaganda oder in den Gottesdiensten, was für aufregende Sachen in ihrer Stadt im Jahr 1517 geschehen waren. Martin Treu schrieb in seinem Buch "Martin Luther in Wittenberg – Ein biografischer Rundgang", Wittenberg 2010, S. 31 noch Folgendes: "Unter dem 31. Oktober 1517 schrieb er [Martin Luther] bewegt von seelsorgerlichen Gefühlen seinem kirchlichen Vorgesetzten, dem Erzbischof Albrecht von Magdeburg [der für diesen Ablasshandel in Sachsen verantwortlich war] einen Brief, in dem er die gängige Ablasspraxis als gefährlich für die Gemeinden kritisierte. Dazu legte er ein Manuskript mit 95 Thesen, die als Grundlage für eine geplante Disputation über das Wesen und die Bedeutung des Ablasses an der Wittenberger Universität dienen sollten. Der Erzbischof antwortete allerdings nicht, sondern sandte die Thesen wegen des Verdachts der Ketzerei weiter nach Rom."

Satirisches Blatt über den Ablasshandel des Dominikanermönches Johann Tetzel (um 1460-1519), der Martin Luther im Jahr 1517 zum Verfassen der 95 Thesen initiierte, erstellt im Jubiläumsjahr 1617

Der Mönch Martin Luther, der am 17. Juli 1505 in den Orden der Augustinereremiten eintrat und der im Jahr 1507 zum Priester geweiht wurde. (Hans Weiditz, Holzschnitt).

Ein Blick in das Innere der Schlosskirche mit ...

... dem herrlichen Deckengewölbe, ...

... das zum Verweilen und Bestaunen einlädt!

Die Schlosskirche ist die Begräbnisstätte vieler bedeutender Herren und Damen. So fand zum Beispiel der Herzog Rudolf II. von Sachsen-Wittenberg (1307-1370) mit seiner zweiten Gattin, Elisabeth von Lindow-Ruppin († 1373), schließlich ebenfalls hier seine letzte Ruhe, nachdem seine Gebeine und die seiner Gattin und seiner Tochter Elisabeth im Jahr 1538 von der Wittenberger Franziskanerkirche zur Schlosskirche überführt wurden (Ausschnitt).

Die Wappen des Herzogs Rudolf II. von Sachsen-Wittenberg zeigen nicht nur seine Herkunft, sondern auch seinen Herrschaftsanspruch. Hier sieht man in seiner Hand das sächsische Rautenschild ...

... und hier über seinem Kopf die sächsischen Kurschwerter (links), das Wappen der Pfalz Sachsen (in der Mitte) und das Wappen der Landgrafschaft Thüringen (rechts).

Prinzessin Elisabeth († 1353), die zweite Tochter des Herzogs Rudolf II. von Sachsen-Wittenberg aus seiner ersten Ehe mit Elisabeth († 1354), einer Tochter des Landgrafen Otto von Hessen, ruht in der Nähe ihres Vaters.

Das Grab von Martin Luther (Ausschnitt)
Martin Luther befand sich mit seinem Freund Justus Jonas in Eisleben, als ihn am 18. Februar 1546 der Tod ereilte. Sein Leichnam wurde von Eisleben über Halle, Bitterfeld und Kemberg nach Wittenberg überführt und am 22. Februar in der Schlosskirche unter der Kanzel beigesetzt.

Das Grab von Philipp Melanchthon befindet sich gegenüber dem Grab seines Freundes, Martin Luther (Ausschnitt)

Martin Luther mit seinem persönlichen Wappen, der "Lutherrose"
Gegen Ende des Jahres 1508 wurde Martin Luther auf Wunsch des Dekans der hiesigen theologischen Fakultät nach Wittenberg berufen, um hier Vorlesungen über Moralphilosophie zu halten. Nach einem kurzen Zwischenspiel in Erfurt kehrte Martin Luther im Herbst 1511 endültig und für immer nach Wittenberg zurück.

Das Chorgestühl in der Wittenberger Schlosskirche

Der Altar in der Wittenberger Schlosskirche

Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen (1463-1525) (im Chor der Schlosskirche),
mit den Wappen seiner Familie verziert: Man beachte das Visconti-Symbol der drachenähnlichen Schlange, die einen Menschen verschlingt, drittes Wappenschild von unten auf der linken Seite und drittes Wappenschild von oben auf der rechten Seite: Friedrichs Mutter, Elisabeth von Bayern, war eine Urenkelin des berühmten Bernabo (oder Barnabas) Visconti und Friedrichs Vater Ernst war ein Ururenkel von Bernabo Visconti (Ausschnitt 1 (linke Seite))(Ausschnitt 2 (rechte Seite))

Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen (im Chor der Schlosskirche)

... und aus einer anderen Perspektive: Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen

Kurfürst Johann der Beständige von Sachsen (1468-1532), der jüngere Bruder des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen (ebenfalls im Chor der Schlosskirche) (vollständige Ansicht)

Die Grabplatten der kurfürstlichen Brüder Friedrich des Weisen (links) und Johann des Beständigen (rechts) (im Chor der Schlosskirche) (die Grabplatte von Friedrich dem Weisen) und (die Grabplatte von Johann dem Beständigen)

Das sächsiche Rautenschild mit seinen charakteristischen Symbolfarben

Ein Blick in das Innere der Schlosskirche vom Altar aus

Die Wittenberger Schlosskirche von außen

Der kleine Turm auf der Schlosskirche

Die Wittenberger Schlosskirche mit dem 88 m hohen Schlosskirchturm und einem Teil des Überrestes des ehemaligen Schlosses, dessen Bau der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise im Jahr 1489 in Auftrag gab.

Die Stadt Wittenberg im Jahr 1536, von der Südseite und von der Elbe aus betrachtet
Links können wir das ehemalige weiße Schloss mit seinem runden dicken Turm (links) und seiner vierteiligen Giebelfront und dahinter den hohen Kirchturm (direkt hinter dem weißen dicken Turm des Schlosses) und den kleinen Turm der Schlosskirche erkennen. Bei der großen Kirche rechts handelt es sich um die Stadtkirche St. Marien, die im Stadtplan die Nummer 7 trägt, (vollständige Ansicht)

Der Kirchturm und die Überreste des Schlosses

Gesamtansicht vom hohen Kirchturm und dem Schloss von der Westseite aus

Um den runden dicken Schlossturm herum, von der Südseite betrachtet

Nun wollen wir die Altstadt von Wittenberg kennen lernen ...

... mit ihren vielen Gassen und Gässchen!

Eintauchen in die geschichtsträchtige Altstadt von Wittenberg!

Das Cranachhaus am Markt 4 (im Stadtplan die rechte Nummer 4), das über die letzten 500 Jahre viele Veränderungen erfahren hat und das sich an der Südseite des Wittenberger Marktes und direkt gegenüber dem Rathaus befindet, gehörte einst dem berühmten Maler Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553), einem engen Freund von Martin Luther, der neben seiner Malerwerkstatt nicht nur zusätzlich eine Apotheke und einen Buchladen besaß, sondern auch als Drucker, Verleger, Privatbankier, Ratsherr und Bürgermeister tätig war und mit Sandstein, Papier und Farben handelte. Wenn Sie durch das Tor an der rechten Seite des Cranachhauses schreiten ...

... gelangen Sie in diesen schönen Hinterhof!
Lucas Cranach der Ältere kaufte das Grundstück am Markt 4 zusammen mit einem Weinschankrecht und dem Grundstück am Markt 3 im Jahre 1512. Sein jüngerer Sohn, Lucas Cranach der Jüngere, erblickte hier im Jahr 1515 das Licht der Welt. Schließlich wurde hier im Jahr 1520 auch eine Apotheke eingerichtet, die im Jahr 1554 von seinem Schwiegersohn Caspar Pfreundt, der mit seiner Tochter Anna vermählt war, betrieben wurde. Die Öffnungszeiten des Cranachhauses sind: Montag bis Samstag von 10:00 bis 17:00 Uhr und Sonntag und Feiertag: 13:00 bis 17:00 Uhr.

Gegenüber dem Cranachhaus befinden sich der Marktplatz mit dem Rathaus und die Bronzestatue von Martin Luther.

Ein Blick über den Marktplatz (hier die größere Version)

Die Bronzestatue von Martin Luther ...

... von vorne ...

... und von der Seite!

Martin Luther und die Stadtkirche St. Marien im Hintergrund, in der er seit 1514 seine Predigten hielt

In der Stadtkirche St. Marien, im Stadtplan die Nummer 7, wurde die Heilige Messe im Jahr 1521 von Justus Jonas und Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, zum ersten Mal in deutscher Sprache zelebriert und das Abendmahl zum ersten Mal "in beiderlei Gestalt", in Brot und Wein, an die Gemeinde ausgeteilt.
Die Marienkirche war die Predigtkirche von Martin Luther und seinem Freund Johannes Bugenhagen. Im Jahr 1996 wurde sie wie die Schlosskirche zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt. Im Jahr 1187 wurde hier zum ersten Mal eine Kirche erwähnt, die vermutlich aus Holz errichtet war. In den Jahren 1412 bis 1439 gab es größere Umbauten. Ursprünglich waren die beiden Türme der St. Marienkirche mit steinernden Pyramiden bekrönt (die St. Marienkirche vor 1547), die jedoch im Jahr 1547 entfernt wurden, um auf den Türmen Plattformen für Kanonen zu schaffen. Im Jahr 1556 wurden schließlich auf diesen Plattformen die noch heute erhaltenen achteckigen Hauben gesetzt sowie eine Uhr und eine Türmerwohnung errichtet. Die St. Marienkirche kann von Ostern bis Oktober werktags von 10:00 bis 18:00 Uhr und sonntags von 11:30 bis 18:00 Uhr besichtigt werden.

Als wir in Wittenberg waren, wurde in und an der Stadtkirche St. Marien fleißig gebaut. Hier können Sie das Altarbild ohne die Gerüste studieren.

Die Fronleichnamskapelle (neben der St. Marienkirche gelegen)
Die Kapelle ist eine Stiftung des Wittenberger Ratsherrn Konrad Wynmann aus dem Jahr 1368. Nach ihrer Zerstörung ermöglichte Georg Zülsdorf im Jahr 1456 den Wiederaufbau. Am 28. November 1518 appellierte Martin Luther von hier aus an Papst Leo X., er möge ein Konzil einberufen, das über seinen Ketzerprozess entscheidet. Bis 1772 wurde die Kapelle für Gottesdienste anlässlich von Begräbnissen auf dem Friedhof rund um die St. Marienkirche genutzt. Von 1913 bis 1928 befand sich hier das Wittenberger Heimatmuseum. Heute ist die Fronleichnamskapelle regelmäßig genutzter Gebetsraum der Gemeinde der Stadtkirche St. Marien.

... wo Martin Luther ist, ist sein Freund Philipp Melanchthon nicht weit entfernt! (ebenfalls auf dem Marktplatz)

Der Cranach-Hof (hier der westliche Teil des Gebäudes), im Stadtplan die linke Nummer 4, liegt in der Schlossstraße 1. Lucas Cranach der Ältere erwarb dieses Grundstück im Jahr 1518. Es diente ihm als Wohn- und Werkstatthaus. Um 1540 ließ er das Haus und und den Hof nach seinen Vorstellungen umbauen. Nach diesem Umbau befanden sich im vorderen Gebäude die Wohnung der Familie Cranach, im westlichen Seitenflügel die von Cranach und Christian Döring gegründete Buchdruckerei und im hinteren Gebäude, das den Hof nach Süden abschloss, und im östlichen Seitenflügel die berühmte Malerwerkstatt. Von dem ursprünglichen Baustil ist nicht mehr viel erhalten. Im Jahr 1544 gelangte das Haus in den Besitz von Lucas Cranach dem Jüngeren, der einige Umbauten vornahm. Um 1773 wurden die Gebäude im Stil des Barocks umgestaltet, und im Jahre 1872 erhielten sie schließlich ihre heutige Form. Wenn Sie durch das Tor schreiten ...

... gelangen Sie in den Innenhof und blicken auf die ehemalige berühmte Malerwerkstatt von Lucas Cranach dem Älteren. (hier die größere Version); (Blick zur rechten Seite, dem westlichen Seitenflügel (1)) (Blick zur rechten Seite, dem westlichen Seitenflügel (2))
Im Cranach-Hof sind heute wieder eine Malschule mit Künstlerwerkstätten, Hofateliers und die Historische Druckerstube zu finden.

Ein Blick vom Hof zum Tor (hier die größere Version)

Lucas Cranach dem Älteren über die Schulter geschaut

Hier sehen Sie den östlichen Teil des Cranach-Hofes. Im Jahr 1773 erfolgten weitere Umbauten im gesamten Cranach-Hof, und im Jahr 1779 zog schließlich die "Churfürstlich-Sächsische Priviligierte Apotheke zum Adler" vom Cranachhaus am Markt 4 in die Schlossstraße 1. Im Jahr 1830 erhielt dieses Gebäude sein drittes Obergeschoss, und im Jahr 1871 wurde das Durchfahrtsportal (der Zugang zum Innenhof) an die Westseite der Gebäudefront verlegt.

Wichtige Informationen über Lucas Cranach den Älteren über der Tür zur Apotheke

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise erstellte für Lucas Cranach den Älteren das Apothekenprivileg am 6. Dezember 1520, durch das der Maler berechtigt war, Arzneien, Farben, Gewürze, Siegelwachs, Öl, Tinten, Zucker, Marzipan und vor allem auch Süßweine zu verkaufen (größere Version)

Die Apotheke des Lucas Cranach des Älteren mit ...

... seinem Wappen, wenn auch nicht in den richtigen Farben: Seit 1508 war Lucas Cranach dem Älteren durch einen Wappenbrief des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen erlaubt, eine schwarze Schlange mit Fledermausflügeln auf gelbem Grund als sein Wappen zu führen.

Von der Cranach-Apotheke ein Blick auf die Stadtkirche St. Marien

Die Universität zu Wittenberg, im Stadtplan die Nummer 8, wurde im Jahr 1502 vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen gegründet. Schon im Gründungssemester schrieben sich 416 Studenten ein. In Wittenberg stieg durch die Gründung der Universität nicht nur die Zahl der Einwohner von etwa 2.000 auf fast 5.000 Personen, sondern die Zahl der Studenten nahm stetig zu. Wurden in den Jahren 1505 bis 1510 fast 900 Studenten immatrikuliert, zählte man in den Jahren 1540 bis 1545 fast 3.000 Studenten.

Die berühmtesten Lehrer und Studenten der Universität zu Wittenberg (hier die größere Version)

Einer der berühmten Professoren der Wittenberger Universität, Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt, der der Doktorvater von Martin Luther war. Radierung, 16. Jahrhundert

Das Melanchthonhaus, im Stadtplan die Nummer 9, wird gerade restauriert. Es befindet sich in der Collegienstr. 62. Als Philipp Melanchthon (1497-1560) im Jahr 1518 Professor in Wittenberg wurde und am 25. November 1520 eine gewisse Katharina Krapp heiratete, bezogen beide dieses Grundstück, auf dem sich vor der Erbauung des "Melanchthonhauses" ein zusehends verfallendes Lehmbauhaus befand, das Philipp Melanchthon selbst die "Bude" nannte. Im Hintergrund links ist das Universitätsgebäude zu sehen.

Das Melanchthonhaus, hinter dem Gerüst versteckt

Mit dem Bau von Melanchthons Haus wurde im Jahr 1536 begonnen. Drei Jahre später war es bereits fertig. Der sächsische Kurfürst Johann Friedrich I. hatte dies Haus für Philipp Melanchthon bauen lassen müssen, denn Letzterer drohte damit, die Universität von Wittenberg zu verlassen, falls er mit seiner Familie noch weiterhin in der alten "Bruchbude" leben müsste. Das neue Haus verfügte bereits seit 1556 über fließendes Wasser, da es an das Rohrwassersystem angebunden war.

Philipp Melanchthon in Person
Philipp Melanchthon, der eigentlich Philipp Schwartzerdt hieß, kam auf Luthers Initiative hin im Jahr 1518 nach Wittenberg, um an der Universität den neuen Lehrstuhl für Griechisch zu besetzen.

Das Haus von Philipp Melanchthon im 19. Jahrhundert
Der markante Giebel machte das Haus von Philipp Melanchthon zu einem der schönsten Häuser in Wittenberg. Nach Melanchthons Tod diente sein Haus zunächst weiter als Professorenwohnung. Später bezogen Handwerker das Haus. Da sämtliche Bewohner dieses Hauses über all die vergangenen Jahrhunderte nur wenige bauliche Veränderungen am Gebäude vorgenommen hatten, kann das Melanchthonhaus als die "authentischste" aller Reformationsgedenkstätten in Wittenberg bezeichnet werden. Im Jahr 1967 erklärte man es zur Melanchthon-Gedenkstätte, und seit 1996 gehört es zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Ein Blick in die Zukunft
Hier sehen Sie wie das Melanchthonhaus mit dem Erweiterungsgebäude (zwischen dem Haus und der Universität), in dem sich künftig der Eingang ins Museum befinden wird, nach der Restauration aussehen wird. Im Erweiterungsgebäude werden in Zukunft zusätzliche Ausstellungsflächen und Räumlichkeiten für Veranstaltungen und kulturelle Anlässe zur Verfügung stehen. Das Melanchthonhaus selbst wird grundständig saniert. Außerdem soll der Melanchthongarten seine ursprüngliche Größe zurückerhalten. Denn vor über 150 Jahren hatte der preussische Staat das Grundstück von Philipp Melanchthon aus finanziellen Gründen geteilt und eine Hälfte verkauft. In Zukunft soll nun eine Dauerausstellung uns mit der Person von Philipp Melanchthon und seinem Wohnhaus vertraut machen. Bauforschungen der jüngeren Zeit ermöglichten sogar die Lokalisierung von Küche und Esszimmer der Familie Melanchthon. Informationen über Philipp Melanchthon als Mensch, Ehemann und Familienvater werden in moderner Form visualisiert. Herzstück des Rundgangs durch das Haus soll jedoch das Studier- und Sterbezimmer des Gelehrten mit seiner historischen Ausstattung bleiben.

Das Lutherhaus in der Collegienstraße 54, im Stadtplan die Nummer 10 , wurde im Jahr 1504 ursprünglich als Kloster der Augustinereremiten erbaut. Martin Luther lebte hier seit 1508. Nach seiner Heirat mit Katharina von Bora im Jahr 1525 wurde das mittlerweile verlassene Kloster zum Zuhause seiner Familie. Im Jahr 1532 wurde es Martin Luther vom sächsischen Kurfürsten Johann dem Beständigen übereignet und blieb im Besitz seiner Familie bis zum Jahre 1564. Heute gibt es hier eine sehr interessante Dauerausstellung über Martin Luther, sein Leben, seine Werke und sein Wirken. Nehmen Sie sich mindestens einen halben Tag Zeit, durch diese historisch und pädagogisch hervorragend ausgearbeitete Ausstellung, die ungefähr 1.000 Originalexponente aus dem Wittenberg des 16. Jahrhunderts zeigt, zu bummeln. Und vergessen Sie nicht, sich auch den Keller anzuschauen, in dem Sie mit dem Alltag der Luthers auf anschaulichster Weise vertraut gemacht werden. Die Ausstellung kann vom 1. April bis zum 31. Oktober jeden Tag von 9:00 bis 18:00 Uhr und vom 1. November bis zum 31. März von Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr besucht werden. Bitte beachten Sie, dass von November bis März die Ausstellung montags geschlossen ist! (hier eine größere Version des Fotos)
Martin Luther, der am Anfang seiner Ehe noch fast mittellos war, zählte gegen Ende seines Lebens zu den wohlhabendsten Bürgern in Wittenberg. Er hatte den größten Grund- und Viehbesitz in der Stadt. Sein jährliches Gehalt als Professor betrug gegen Ende seines Lebens 400 Gulden, zusätzlich 100 Gulden in Naturalien wie Roggen, Gerstenmalz zum Brauen, Brennholz, Heu und Hühnern. Hinzu kamen noch die vielen Geschenke, die Martin Luther von seinen Freunden und adligen Gönnern erhielt. Ein sächsischer Handwerker verdiente zu dieser Zeit jährlich ungefähr 22 Gulden. Auf das Verlangen seiner Gattin hin wurde das Geld in Grundbesitz angelegt, um hierdurch die Eigenversorgung auszubauen. Weitere wichtige Einnahmen wurden durch die Vermietung der Kammern im Dachgeschoss oder/und im zweiten Obergeschoss des Lutherhauses an bis zu 20 Studenten und deren Verpflegung erzielt. "Miete und Kostgeld eines Wittenberger Studenten betragen jährlich insgesamt ca. 15 Gulden; 1538 sind sie wegen der Teuerung auf bis zu 30 Gulden gestiegen. Bei geschätzten 20 Studenten in Luthers Haus ergibt sich die erstaunliche Summe von anfangs ca. 300 Gulden, später bis zu 600 Gulden!" (in: Antje Heling: Zu Hause bei Martin Luther – Ein alltagsgeschichtlicher Rundgang. Wittenberg 2003, S. 66). Der Haushalt von Martin Luther und Katharina von Bora gehörte zu den Größten in Wittenberg. Zwischen 35 bis 50 Personen lebten im Lutherhaus: außer den eigenen Kindern, noch die Tante von Katharina, die "Muhme Lene", seit 1529 zudem sechs verwaiste Nichten und Neffen und noch mindestens zehn Hausangestellte wie der Sekretär von Martin Luther, Johannes Rischmann, der Hauslehrer der Kinder, Hieronymus Weller, der Hausverwalter Wolf Seeberger, die Köchin Dorothea, mehrere Knechte und Mägde, ein Kutscher, eine Schweinehirt und noch viele andere Hilfskräfte. Nicht vergessen werden dürfen überdies die vielen Gäste im Lutherhaus, die zuweilen mehrere Wochen bei den Luthers blieben.

Blick in die Lutherstube, die eine besondere Aura besitzt, da hier Martin Luthers berühmten Tischgespräche stattfanden. Der Originalzustand dieses Raumes ist weitestgehend erhalten geblieben, nur die spärlichen Möbel, die uns einen Eindruck vermitteln möchten, wie es damals ungefähr ausgesehen haben mag, sind nicht aus Martin Luthers Besitz, und die bemalte Kassettendecke kam erst nach Luthers Tod hinzu. (hier die größere Version)
Das Lutherhaus war vermutlich bis zum Tod von Martin Luther im Jahr 1546 nur im westlichen Teil, zu zwei Dritteln, ausgebaut. Besonders in den Jahren 1534 bis 1540 wurde im Lutherhaus fleißig gebaut. So ließen Martin Luther und Katharina von Bora im ersten Obergeschoss die Wohnstube, fünf weitere beheizbare Stuben und zwei Kammern einrichten. Das ehemalige Refektorium des Klosters wurde als Speisesaal genutzt, und die 1519 erbaute Klosterküche, die einen Anbau mit zwei Schornsteinen darstellte, diente ihnen als ihre Küche. Letztere wurde im 19. Jahrhundert abgerissen. Es gab seit 1541 zudem eine neue Badestube, die die alte Badestube des Klosters ersetzte.

Das Bugenhagenhaus, im Stadtplan die Nummer 6, war das Zuhause des Reformators Johannes Bugenhagen, der ein sehr enger Freund von Martin Luther gewesen ist. Über der Tür des Hauses erfährt man, wann er geboren wurde und wann er starb.

Das Bugenhagenhaus, das älteste Pfarrhaus der Welt
Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war das Bugenhagenhaus das Pfarr- und Gemeindehaus der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und zugleich Sitz der Superintendentur. Der Bugenhagensaal im Erdgeschoss ist seit der Reformation das Auditorium des Superintendenten Johannes Bugenhagen und seiner Nachfolger gewesen. Seit dem Jahr 2007 wird das von Grund auf denkmalgerecht sanierte Bugenhagenhaus als Begegnungs- und Kommunikationszentrum der Evangelischen Stadtkirchengemeinde und ihrer Gäste genutzt.

Die Büste von Johannes Bugenhagen (Detail)

Nach all dem vielen Studieren und Anschauen muss auch der Magen etwas haben: unser Lieblingsrestaurant in Wittenberg, die City-Buffeteria, in dem es sehr leckere Hausgerichte für nicht zu hohe Preise und bei sehr freundlicher Bedienung gab.

als Buch und als E-book

Zeitreise 1 – Besuch einer spätmittelalterlichen Stadt
als Buch, Independently published, 264 Seiten, 93 sw Bilder, € 12,54, ISBN 978-1-5497-8302-9
und als E-Book