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Die Wettiner

Friedrich der Freidige (oder der Gebissene) († 1323)

Friedrich der Freidige oder der Gebissene, der Nachfolger von Albrecht II. dem Entarteten, war besonders stolz auf die Vorfahren seiner Mutter Margarete († 1270), die Staufer. Im Jahr 1269 hatten die italienischen Anhänger dieses berühmten Geschlechtes ihn im Alter von 12 Jahren sogar zum Nachfolger des im Jahr 1268 hingerichteten Konradin bestimmt. Aber die Macht der Staufer war gebrochen. Sie konnten keinen Einfluss mehr auf die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches nehmen. Einen großen Teil seines Lebens als Erwachsener verbrachte Friedrich der Freidige damit, die von seinem Vater verkauften Herrschaften seiner Dynastie zusammen mit seinem Bruder Dietrich († 1307) zurückzugewinnen. Zwei Monate nach dem Tod seines jüngeren Bruders, der im Dezember 1307 in Leipzig unter ungeklärten Umständen an einer Verwundung gestorben war, ließ Friedrich sich in Erfurt vom Adel in Thüringen als ihr neuer Landgraf huldigen. König Heinrich VII. bestätigte ihn am 18. Dezember 1310 als Markgrafen von Meißen und als Landgrafen von Thüringen. Aber Friedrich war mit dem im Jahr 1310 Erreichten noch nicht zufrieden. Er wollte "das wettinische Reich", über das sein Großvater, der Markgraf Heinrich der Erlauchte, regiert hatte, wiederherstellen, was ihm allerdings nicht gelingen sollte. Letztendlich hatte er auf die Lausitz, auf Landsberg, das Pleißenland und die Pfalzgrafschaft von Sachsen verzichten müssen. Der Schaden, den sein Vater, Albrecht der Entartete, seinem Geschlecht zugefügt hatte, war zu groß gewesen.

In erster Ehe war Friedrich der Freidige seit 1286 mit der Gräfin Agnes von Görz und Tirol († 1293) und in zweiter Ehe seit dem 24. August 1300 mit seiner hübschen Stiefschwester, der Gräfin Elisabeth von Lobdeburg-Arnshaugk (um 1286 - 1359), einer Tochter des Grafen Otto IV. von Lobdeburg-Arnshaugk und seiner Stiefmutter, Elisabeth von Orlamünde, verheiratet. Durch letztere Heirat gelangten die Städte Jena und Neustadt mit Arnshaugk in den Hausbesitz der Wettiner. Seine erste Gattin Agnes schenkte ihm seinen Sohn Friedrich den Lahmen († 1315), geboren am 9. Mai 1293, und seine zweite Gattin seine Tochter Elisabeth († 1368), geboren im Jahr 1306, und seinen Sohn Friedrich den Ernsthaften († 1349), geboren am 30. November (?) 1310. Seine Tochter Elisabeth verheiratete er im Jahr 1321 mit dem Landgrafen Heinrich II. von Hessen. Ihre Ehe verlief wie bei ihrer Großmutter väterlicherseits, Margarete, sehr unglücklich. Ihr Gatte Heinrich II., der seit 1334 ein Verhältnis mit einer ihrer Hofdamen hatte, besaß die Dreistigkeit, sie des Ehebruchs zu bezichtigen. Auf diese Weise versuchte er sie loszuwerden, um die Geliebte ehelichen zu können. Elisabeth bat daraufhin ihren Bruder Friedrich den Ernsthaften um Hilfe, der seine Schwester auch sogleich zu ihrer Mutter Elisabeth zum Schloss Grimmenstein in Gotha bringen ließ. Es wurde von beiden Seiten eine Aussöhnung der Ehepartner versucht. Aber bereits im Jahr 1335 zeigte sich mit aller Deutlichkeit, dass Heinrich II. nicht mehr bereit war, mit seiner Gattin zusammenzuleben. Elisabeth zog daraufhin im Oktober dieses Jahres erneut zu ihrer Mutter nach Gotha. Als jene im Jahr 1359 verstarb, siedelte Elisabeth nach Eisenach um. Hier schied sie schließlich im Jahr 1368 ebenfalls aus dem Leben.

Um 1320 hatte sich ihr Vater Friedrich der Freidige bereits auf die Wartburg zurückgezogen, wo er im Mai 1321 einen schweren Schlaganfall erlitt, der ihn regierungsunfähig machte. Seine Gattin Elisabeth und seine Berater hatten bis zu seinem Tod am 16. November 1323 die Regierungsgeschäfte in seinem Namen weitergeführt. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich der Ernsthafte.


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