kleio Logo

Die Entwicklung der Menschheit

Homo habilis und Homo naledi

Homo habilis
Abb. 14c: Homo habilis

Neben den Australopithecinen existierte vor ungefähr 2,4 Millionen Jahren ein Vertreter der Gattung Homo, Homo habilis (Abb. 14c), der auf unserer Erde bereits vor 1,6 Millionen Jahren wieder ausstarb und der sich von der Gattung Australopithecus durch sein größeres Gehirn (Volumen von 650 bis 800 ml), durch seine längeren Beine und seine kürzeren Arme im Verhältnis zu seinem Gesamtkörper und durch seine menschenähnlicheren Gesichtszüge unterschied. Seine längeren Beine werden ihn zudem zu einer schnelleren Fortbewegung als die bisherigen Frühmenschen befähigt haben. Trotzdem wird auch er noch ein guter Baumkletterer gewesen sein. Die neben ihm oder später auftretenden Homo rudolfensis und Homo ergaster werden von den meisten Wissenschaftlern mittlerweile als weitere Erscheinungsformen vom Homo habilis bzw. Homo erectus, die in anderen Regionen Ost- und Südafrikas lebten, aufgefasst.

Dieser bis 2015 früheste Vertreter der Gattung Homo wurde im Jahre 1959 in der Olduvai Schlucht in Ostafrika entdeckt. Da der Homo habilis weiterhin viele Gemeinsamkeiten mit den Australopithecinen aufweist, rechnen ihn einige Paläontologen immer noch zu dieser älteren Gattung. So ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern, was die Größe und das Gewicht betrifft, auch beim Homo habilis noch erheblich. Die Weibchen wiesen nämlich nur ein Gewicht von 30 bis 39 kg, die Männchen dagegen von 50 bis 90 kg auf. Außerdem bestand der Hauptanteil ihrer Nahrung ebenfalls noch aus Pflanzen, obwohl, durch die Klimaveränderungen bedingt, der Fleischanteil allmählich beträchtlich zunahm. Mit Sicherheit hat der Homo habilis noch nicht die Bezeichnung „Jäger“ verdient, denn er ernährte sich eher von Aas als von selbst erlegten Tieren. Seinen Namen „Homo habilis“, der mit „geschickter Mensch“ übersetzt werden muss, verdankte er jedoch der Tatsache, dass er bereits einfache Werkzeuge aus Stein fertigen konnte. Mit den faustgerechten Steinsplittern aus Feuerstein oder Obsidian, die scharfe Kanten aufwiesen, konnte er die zähe Haut der bereits verstorbenen Tiere durchschneiden, um an das Fleisch zu gelangen, und auch die Knochen aufschlagen, um das rote Knochenmark zu gewinnen. Zudem glauben einige Anthropologen, dass beim Homo habilis schon die Entwicklung der Sprache zur Kommunikation mit Seinesgleichen begann. Wie neueste archäologische Funde zeigen, existierte neben ihm bereits der Homo erectus, mit dem die Menschheit tatsächlich evolutionsmäßig einen gewaltigen Schritt nach vorne machte.

Seit 2015 gibt es nun eine weitere ausgestorbene Art der Gattung Homo, den Homo naledi (= Mensch aus der Stern-Höhle), von dem bereits im Jahr 2013 Fossilien gefunden wurden und dessen Alter laut Professor Lee Berger bis auf 3 Millionen Jahre geschätzt werden dürfte. Das Alter ist jedoch mittlerweile infrage gestellt worden. Zurzeit werden diesbezüglich Untersuchungen gemacht. Vermutlich müssen wir eher von einem Alter von 900.000 Jahren ausgehen. Die durchschnittliche Körpergröße des Homo naledi betrug ungefähr 1,50 m, er wies ein Gewicht zwischen 40 bis 55 kg und ein Gehirnvolumen zwischen 450 bis 550 cm3, kleine Zähne, lange Beine, Füße, die mehr den unsrigen als den der Australopithecinen gleichen, eine eher primitive Hüfte, die an die der Australopithecinen erinnert, und gebogene Fingerknochen auf. Letzteres zeigt, dass er noch gut auf Bäumen klettern konnte. Aber Homo naledi scheint seine verstorbenen Gruppenmitglieder bereits rituell beerdigt zu haben, das heißt, er war schon zu symbolischem Denken fähig, was wir im Allgemeinen erst beim Homo sapiens vor 200.000 Jahren vorzufinden glaubten. Man vermutet nämlich, dass Homo naledi seine verstorbenen Angehörigen in die Stern-Höhle mit der Absicht trug, um sie dort beizusetzen.


Lese-/Videotipps: