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Frohe Weihnachten / Merry Christmas

Eine wunderschöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 wünscht Ihnen, meine lieben Leser und Leserinnen, Ihre Maike Vogt-Lüerssen von Downunder.

Möge das nächste Jahr für Sie mit Gesundheit, Freude, Spaß, Liebe und netten Überraschungen gefüllt sein! Ganz besonders möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die meine Bücher und E-Books gekauft haben und mir damit ermöglichen, meiner großen Leidenschaft, der Geschichte, weiterhin nachgehen zu können.

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16/09/2014

Achtung Fußnoten!

Die Zeiten der berühmten Historiker wie z. B. Régine Pernoud (1909-1998), die glaubten, den Laien historische Sachbücher ohne Fußnoten vorsetzen zu können, sind schon lange vorbei. So weist ihr bestverkauftes Buch "Königin der Troubadoure - Eleonore von Aquitanien", das in der deutschen Sprache seit 1979 erhältlich ist, nicht eine einzige Fußnote auf. Im Vorwort dieses Werkes findet man hierzu folgende Anmerkung der Autorin: "Um diese Arbeit nicht durch Fußnoten und Anmerkungen zu belasten, wurde am Schluß des Buches ein Quellennachweis angefügt" (S. 7). In diesem Quellennachweis werden die acht Sekundär-Quellen genannt, die bei dieser Biografie verwendet wurden. Im Vergleich zu diesem Buch schauen Sie sich doch einmal den Eintrag über Eleonore von Aquitanien in der deutschen Wikipedia an, der 168 (!) Fußnoten aufweist und der auf sieben Sekundär-Quellen beruht. Sollte man es bei Wikipedia wagen, wie es die berühmte Historikerin Régine Pernoud zu tun pflegte, keine Fußnoten beizufügen, dann findet man auf seiner Seite hier schon bald von den wachsamen Hütern von Wikipedia folgenden Vermerk: "Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (also Fußnoten) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt." Es scheint sich mittlerweile bei den Laien der Glaube eingeschlichen zu haben, dass eine Behauptung in einem Geschichtsbuch oder einem historischen Artikel eine wissenschaftliche Grundlage hat, wenn sie mit einer Fußnote versehen wurde. Aber seien Sie da nicht so sicher! Wir wissen zum Beispiel aus zeitgenössischen Quellen aus der Zeit von Lucrezia Borgia, dass ihr ältester Vollbruder Juan (1474-1497) und nicht Cesare (1476-1507) war. Sie hatte noch einen Halbbruder Pedro Luis (um 1462-1488), der aus einer anderen Beziehung ihres Vaters stammte, und einen weiteren Vollbruder Jofré (1481-1517). Durch den Historiker Mariana, der im 19. Jahrhundert lebte und der behauptete (ohne eine historische Quelle nennen zu können), dass Cesare der älteste Vollbruder von Lucrezia Borgia war, und der immer wieder zitiert wurde, hat es sich mittlerweile leider eingebürgert, dass nun sehr häufig Cesare als der älteste Sohn aus Rodrigo Borgias Beziehung mit Vannozza de Catanei genannt wird. Als ich vor einigen Jahren in dem Artikel über Lucrezia Borgia bei Wikipedia diese falsche Behauptung vorfand, war diese ebenfalls pflichtgemäß mit einer Fußnote versehen worden. Das schien den Lesern und Leserinnen zu reichen, mir jedoch nicht. Denn in der Fußnote fand ich den Vermerk, dass der Autor dieses Wikipedia-Artikels seine Behauptung, Cesare wäre der älteste Vollbruder von Lucrezia, mit folgendem Buch unterstützte: Ferdinand Gregorovius: Lucrezia Borgia. Hatte der Autor dieses Buch jemals gelesen? Hatte er es vielleicht nur überflogen und nicht richtig verstanden (was übrigens sehr häufig vorkommt)? Hatte er das Werk von Ferdinand Gregorovius nur verwendet, um seine persönliche Meinung hinsichtlich der Reihenfolge der Brüder Nachdruck verleihen zu können? Denn Ferdinand Gregorovius hat niemals diesen Unsinn erzählt! Also Vorsicht, wenn Sie Fußnoten sehen!!! So lesen Sie bei Ferdinand Gregorovius: Lucrezia Borgia (München 1982) nämlich Folgendes: "... ich [Ferdinand Gregorovius] entdeckte in zweifellosen Urkunden dasjenige [das Datum der Geburt] Cesars und Lucrezias, wodurch viele Irrtümer in bezug auf die Genealogie und selbst die Geschichte jenes Hauses [Borgia] für immer beseitigt sind. Cesar war an einem ungenannten Tage des Monats April im Jahre 1476, Lucrezia am 18. April 1480 geboren. Ihr Vater gab so das Alter dieser Geschwister an, als er Papst war: denn im Oktober 1501 sprach er noch einmal davon mit dem Gesandten Ferraras, und dieser schrieb dem Herzog Ercole: 'Der Papst ließ mich wissen, das dieselbe Herzogin (Lucrezia) im Alter von zweiundzwanzig Jahren steht, welche sie im nächsten April vollenden wird; in welcher Zeit auch der Erlauchteste Herzog der Romagna (Cesar) sechsundzwanzig Jahre erreichen wird.' ... Demnach irrten Mariana und andere ihm nachfolgende Autoren, indem sie behaupteten, daß Cesar der zweitgeborene Sohn Rodrigo [Borgias] [nach seinem Halbbruder Pedro Luis (um 1462-1488)], also älter als sein Bruder Juan war. Vielmehr muß Don Juan wirklich zwei Jahre älter als Cesar gewesen sein. Venezianische Berichte aus Rom nennen ihn im Oktober 1496 einen jungen Mann von zweiundzwanzig Jahren; er war demnach im Jahre 1474 geboren."

Buch und e-Book
Buch Cover: Lucrezia Borgia

Lucrezia Borgia – Das Leben einer Papsttochter in der Renaissance

als Buch bei amazon.de, 152 Seiten, 78 sw Abbildungen, ISBN 978-1-9732-7487-2, €  9,08

als E-BOOK bei amazon.de mit Stammtafeln und 78 Bildern, davon 37 in Farbe, Eigenproduktion 2014, €  9,02