kleio Logo

Weblog

09/06/2017

Wikipedia, Geschichte und „Trollflöjten“

Vor kurzem schrieb mir einer meiner lieben Fans, dass er sehr unangenehme Erlebnisse auf der deutschen Wikipedia gehabt hätte. Ob ich denn überhaupt wüsste, dass sämtliche Zitierungen aus meinen Werken von einer Person, die sich den anonymen Namen „Trollflöjten“ (nach Ingmar Bergmans’ Filmversion „Die Zauberflöte= Trollflöjten“) zugelegt hätte, entfernt werden würden?

Ehrlich gestanden, nein. Aber es wundert mich nicht. Ich hatte vor einigen Jahren eine bittere Auseinandersetzung mit einer Person auf Wikipedia, die sich auch einen anonymen Namen zugelegt und die sich ebenfalls als Zensor auf Wikipedia aufgespielt hatte. Vielleicht handelt es sich um dieselbe Person, die nur ab und zu ihren anonymen Namen ändert. Warum muss sich überhaupt irgendjemand, der sich auf Wikipedia als Zensor aufspielt, einen anonymen Namen zulegen, wenn er nicht etwas zu verbergen hat? Hat derjenige vielleicht überhaupt nicht Geschichte studiert? Vermutlich handelt es sich bei diesem „Trollflöjten“ um einen älteren Herrn im Ruhestand. Vielleicht liege ich hier falsch. Aber das Verhalten spricht dafür.

Da ich nicht in einem in seinen Augen qualifizierten Verlag herausgeben würde, hätte ich kein Anrecht auf Wikipedia als Sekundärquelle genannt zu werden. Übrigens geben die Historiker in den englisch-sprachigen Ländern viele ihrer Arbeiten unabhängig, also ohne einen spezifischen Verlag zu verwenden, heraus. Das erfordert jedoch, dass derjenige, der sich auf der historischen Wikipedia-Seite als Oberguru aufspielt, in der Lage ist, Qualität durch sein Fachwissen zu erkennen und nicht auf die Erscheinung von Werken in renommierten Verlagen angewiesen ist, um diesbezüglich Entscheidungen fällen zu können. Eine zeitgenössische Quelle für seine Theorie aufzustellen, ist schließlich die einzige zu akzeptierende Bestätigung für eine Behauptung und nicht irgendein angeblich renommierter Verlag. Da sämtliche Theorien, die ich in meinen Geschichtsbüchern aufstelle, durch zeitgenössische Quellen unterstützt werden, sollte man eigentlich erwarten, dass auf Wikipedia auch auf meine Werke hingewiesen wird. Laut meines Fans trifft dies jedoch nicht zu. Es wären sogar Bücher von mir, die einst auf Wikipedia zu finden gewesen wären, entfernt worden, und zwar nicht nur auf der deutschen Wikipedia. Nein, der Zensor würde auch auf der englischen und italienischen Wikipedia nach mir suchen, um ja zu verhindern, dass mein Name fällt. Na, das nenne ich wirklich eine „große Leidenschaft“. Dadurch hat das Leben von „Trollflöjten“ wohl endlich einen Sinn bekommen!

Was mich jedoch am meisten auf Wikipedia ärgert, ist, dass man dort meine primären Quellen bzw. wichtigen Sekundärquellen benutzt – siehe „Anna von Sachsen (1544-1577)“ und „Agrippina die Jüngere“ –, für die ich viele Jahre benötigte, um sie in den Universitätsbibliotheken zu entdecken, ohne mich, den Finder, zu nennen. Weder Volker Reinhardt noch andere Historiker, die populärwissenschaftliche Bücher herausgeben, versehen ihre Arbeiten mit Fußnoten, und wenn, dann mit nur sehr wenigen. Vermutlich wollen sie verhindern, dass man sie nicht zitiert, sondern ebenfalls nur die primären und sekundären Quellen, die sie gefunden haben. Vielleicht sollte ich in Zukunft nicht weiterhin so großzügig mit der Angabe der Quellen für meine Arbeiten sein. Aber andererseits fühle ich mich als Historiker hierzu verpflichtet. Denn schließlich bin ich eine Person des 20. und 21. Jahrhunderts, und wenn ich über Ereignisse und Personen in der Antike und in der Renaissance berichte – ich kann schließlich leider keine Zeitreise zurück machen –, dann benötige ich die Zeitzeugen, die ich dann auch anzugeben habe. Aber wie sagt mein lieber Gatte stets: „Das Leben ist ungerecht. Gewöhne Dich endlich daran!“ Und das fällt mir, ehrlich gestanden, sehr schwer!

als Buch und E-book

Anna von Sachsen – Gattin von Wilhelm von Oranien
144 Seiten, mit Stammtafeln und 62 Bildern, ISBN 978-3-8330-0322-6, 3., überarbeitete Auflage, € 13,00
bei amazon.de

als Buch und E-book

Agrippina die Jüngere – Die große römische Politikerin und ihre Zeit

als Buch bei amazon.de: 260 Seiten, mit Stammtafeln und 59 Bildern, ISBN 3-8334-5214-5, 2., überarbeitete Auflage, € 17,90

als E-BOOK bei amazon.de: mit Stammtafeln und 70 Bildern, Eigenproduktion 2017, € 13,53