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Alltagsgeschichte des Mittelalters

III. 2.8. Die Ritterweihe

Seit dem 12. Jh. durfte sich nicht mehr jeder Adlige Ritter nennen. Dieser Titel, der erst in der zweiten Hälfte des 11. Jhs. eingeführt wurde, stellte nämlich mittlerweile eine Auszeichnung dar, die man sich, ob König, Graf, Ministeriale oder Nichtadliger, erst einmal verdienen mußte. Im 14. Jh. sah das schon wieder anders aus. Einige hohe Herren verliehen den Rittertitel so häufig und so wahllos, daß er schließlich an Wert verlor.

In der Ritterweihe wurde dem Ritterkandidaten nach einer durchwachten Nacht, die er betend vor einem Altar verbracht hatte, ein geweihtes Schwert überreicht. Diese Schwertleite, also die Übergabe des Schwertes, stellt einen sehr alten Rechtsakt dar, der schon bei den Karolingern in Gebrauch war. Dem jungen Herrscher, der das Mannesalter von 12 Jahren erreicht hatte, wurden schon im 8./9. Jh. feierlich die Waffen übergeben. Durch diesen formellen Akt war er erst berechtigt, selbständig zu handeln, in den Krieg zu ziehen, gekrönt zu werden oder zu heiraten. Anscheinend war diese Schwertleite damals nur im Königskreis üblich.

Im 12. Jh. wurden die ersten nichtköniglichen Schwertleiten in Deutschland erwähnt. Da sie sehr kostspielig waren, fanden sie zunächst nur in den mächtigsten und angesehensten Fürstenhäusern statt. Häufig wurden wegen der hohen finanziellen Belastung mehrere adlige Herren zugleich zu Rittern geweiht, wie es im 13. Jh. allgemein üblich wurde. Einige Landesherren ließen gegen Ende des 13. Jhs. ihre Untertanen durch die Einführung einer Sondersteuer für die Schwertleite ihrer Söhne aufkommen.

Der Ritterschlag, d.h. der Schlag mit der Hand oder dem Schwert auf den Nacken oder mit der flachen Klinge auf die linke Schulter, wurde in Deutschland erst im 14. Jh. eingeführt. In Frankreich soll er schon vorher angewandt worden sein.

Ein vorgeschriebenes Alter mußte, nebenbei bemerkt, der Ritterkandidat nicht aufweisen. Vermutlich waren die meisten Teilnehmer älter als 18 Jahre, denn sie mußten mit den verschiedenen Waffen umgehen können. Nach oben hin schien es dagegen keine Grenzen zu geben. Graf Raimund von der Provence war immerhin schon 50 Jahre alt, als er im Jahre 1235 zum Ritter geweiht wurde.


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