"Zweifelsohne muss die
zweitjüngste Tochter von
Katharina de’ Medici und
Heinrich II. von Frankreich,
die am 14. Mai 1553, einem Sonntag, das Licht der Welt erblickte,
sehr schön und verführerisch gewesen sein. Von dem Großvater
väterlicherseits, dem französischen König Franz I., hatte sie ihr dunkles Haar
geerbt, das sie jedoch gemäß der Mode ihrer Zeit oft unter blonden oder roten
Perücken versteckte. Zudem schminkte sie sich sehr stark, was später zu ihren
häufigen Hauterkrankungen führen sollte, denn die Cremes im Mittelalter und
der Renaissance wiesen häufig Quecksilber oder andere giftige Substanzen auf.
Im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinnen ließ sie – zur großen Freude
ihrer Bewunderer – ihr
außergewöhnlich schönes
Gesicht selten hinter einer
schwarzen Maske bzw.
Larve verschwinden. Um
sich Marguerite plastisch
vorstellen zu können,
sollte man Brantômes
Worten lauschen: „...
denn all ihre schönen
Kleidungen und Schmuck
wagten sich nie daran,
ihren schönen Hals und
ihren reizenden Busen zu
bedecken, aus Furcht, den
Augen der Welt, die sich
an einem so entzückenden
Gegenstand weideten, ein
Unrecht zu tun. Denn
gewiß ist nie ein so
schöner, weißer, üppiger voller Busen gesehen
worden als der ihrige und
sie zeigte ihn so bloß, er
lag so unverhüllt da, daß die meisten Kavaliere am Hofe darüber sich zu Tode
verschmachteten; ja sogar Damen habe ich gesehen, die ihr so vertraut waren,
daß sie sich die Freiheit ihres Umgangs zu Nutze machten und ihn mit
feurigem Entzücken küßten.“
Außerdem war Marguerite von „vollem schlankem Wuchs“. Das Frauenideal
der Männer hatte sich mittlerweile geändert. So waren dürre bzw. hagere
Damen beim männlichen Geschlecht nicht mehr besonders gefragt: „Man sieht
öfters Frauen, die zwar nicht an Krankheiten leiden, die aber trotzdem so
mager, dürr und fleischlos sind wie ein Skelett. Ich (Brantôme) kannte eine
sehr vornehme Dame, von der der Bischof von Cisteron, der schlagfertigste
Mann bei Hofe, sagte: ‚Sie umarmen, müßte sein, als umarmte man eine
Drahtbürste.‘ Ein Kavalier, den wir mit seinen Beziehungen zu einer großen
Dame aufzogen, sagte: ‚Meine Herren, Sie irren. Ich schwärme für Fleisch,
aber das sind bloß Knochen.‘“
Marguerites Zeitgenossen beschrieben sie obendrein als freigebig, großzügig
bis verschwenderisch, stolz und manchmal sarkastisch spöttelnd." (in: Maike Vogt-Lüerssen: Frauen in der Renaissance – 30 Einzelschicksale, ebenda, S. 367-368).