Henriette und ihre Schwester Marie Charlotte waren Töchter von François de Balzac, Seigneur d'Entragues, einem ehemaligen Liebhaber von Marguerite von Valois (1553-1615), und seiner Gattin Marie Touchet, einer ehemaligen Mätresse des französischen Königs Karl IX. (1550-1574). Seit Juni 1599 war Henriette die Hauptmätresse des französischen Königs Heinrich IV. (1553-1610).
Henriette wurde von ihren Zeitgenossen als hübsch, schlank, sehr intelligent, sehr ehrgeizig, sehr arrogant, wortgewaltig, leicht zornig, reizvoll und als sehr temperamentvoll beschrieben. Sie und ihre Familie wollten den französischen König Heinrich IV. für sich gewinnen und ihn finanziell ausbeuten. Henriette sollte nicht nur seine Mätresse, sondern seine Gattin werden. Nur unter dieser Bedingung sollte Henriette bereit sein, ihre Jungfräulichkeit für den König zu opfern. Und Heinrich IV. versprach ihr tatsächlich die Heirat. Dieses Schriftstück mit seiner Unterschrift ist noch heute erhalten. In ihm lesen wir Folgendes: "Wir, Heinrich der Vierte, von Gottes Gnaden König von Frankreich und Navarra, versprechen und schwören vor Gott und geben dem Edlen Franz von Balzac, Sieur d'Entragues, Ritter unserer Orden, unser königliches Wort, seine Tochter Henriette-Katharina von Balzac, für den Fall, daß sie, vom heutigen Tag an gerechnet, innerhalb von sechs Monaten schwanger wird und einem Sohn das Leben schenkt, zur Frau und legitimen, von der Kirche feierlich angetrauten Gattin zu nehmen. Wir schwören außerdem, obengesagtes Versprechen zu bestätigen und zu erneuern, sobald wir vom Heiligen Vater die Auflösung unserer Ehe mit Margarethe von Frankreich erlangt und die Erlaubnis erhalten haben, zum Weib zu nehmen, wen wir wollen. Unter Zeugen aufgesetzt und unterschrieben. Gegeben zu Bois-Malesherbes, heute, am 1. Oktober 1599." (in: André Castelot, Heinrich IV. - Sieg der Toleranz, ebenda, S. 298). Das obige Porträtgemälde muss anlässlich dieses Versprechens erstellt worden sein. Henriette zeigt uns hier stolz ihren Ehering. Kinder waren noch nicht geboren worden.
Am 5. Oktober 1600 fand jedoch die Hochzeit zwischen Heinrich IV. und Maria de' Medici per procurationem in Florenz statt, und Henriette war schwanger, und das Dilemma begann. Henriette und ihre Familie dachten nicht daran, von ihrem Vertrag mit dem König zurückzutreten. Im Brief des Letzteren vom 21. April 1600 an Henriette lesen wir: "Wertes Fräulein, was Euch von mir an Liebe, Ehren und Gütern zuteil wurde, hätte auch das leichtfertigste Herz der Welt besänftigt. Eures aber wird von einem schlechten Charakter beherrscht. Ich bitte Euch, mir das bewußte Schriftstück zurückzugeben ... sowie den Ring, den ich Euch neulich gab." (in: André Castelot; Heinrich IV. - Sieg der Toleranz, ebenda, S. 307). Aber Heinrich IV. bat vergeblich. "Doch wieder einmal brachte das Schicksal die Situation, in der Heinrichs Liebesleben und Frankreichs politische Interessen unlösbar verworren schienen, in Ordnung. Es war der 2. Juni 1600, als ein heftiges Gewitter über Paris niederging und ein Blitz geradewegs in dem Zimmer einschlug, in dem die schwangere Marquise von Verneuil [also Henriette] schlief. Die junge Frau erlitt einen solchen Schock, daß sie eine Frühgeburt hatte und ein totes Kind, einen Knaben, zur Welt brachte. Ein schwerer Schlag für Henriettes großartige Träume und eine Riesenerleichterung für Heinrich und seine Umgebung, denn das ominöse Eheversprechen konnte nunmehr als null und nichtig betrachtet werden." (in: Helga Thoma, "Madame, meine teure Geliebte ..." - Die Mätressen der französischen Könige, ebenda, S. 69-70).
Henriette schenkte ihrem königlichen Liebhaber schließlich zwei Kinder: ihren Sohn Gaston-Henri (geboren am 3. oder 4. November 1601 und gestorben am 28. Mai 1682) und ihre Tochter Gabrielle-Angélique (geboren am 21. Januar 1603 und gestorben im Jahr 1627). Ihre Beziehung mit dem König, den sie mit Hilfe ihrer Familie und ausländischen Fürsten hatte zweimal ermorden lassen wollen, um ihren Sohn zum nächsten König von Frankreich erheben zu können, endete auf Wunsch Heinrichs IV. im Jahr 1608.