"Als der französische Hof sich zu Beginn des Jahres 1562 ebenfalls nach Paris
aufmachte, kam es dort zu weiteren schweren Auseinandersetzungen zwischen
Jeanne und ihrem Gatten [Antoine de Bourbon], der immer noch versuchte, seine Gemahlin zum
Besuch eines katholischen Gottesdienstes zu zwingen. Bei einem dieser
Streitgespräche war der achtjährige Heinrich [IV.] anwesend, der seine Mutter über
alles liebte und daher für sie Partei ergriff, indem er nicht nur an ihre Seite
floh, sondern auch noch wütend verkündete, dass ihn ebenfalls niemand dazu
zwingen könne, zur Messe zu gehen. Antoine von Bourbon geriet außer
Fassung und verpasste seinem Sohn trotz der inständigen Bitten seiner Gattin
kräftige Ohrfeigen. Aber das reichte zu seiner Befriedigung noch nicht aus.
Schließlich übergab er seinen Zögling noch einem von dessen Lehrern, der die
Züchtigung fortsetzen musste.
Katharina de’ Medici versuchte, zwischen den Gatten zu vermitteln, aber als
Antoine sich zu einem Bündnis mit den Guise und mit Montmorency
bereiterklärte, um dem Katholizismus zum Sieg zu verhelfen, und als er am
Palmsonntag 1562 in Begleitung der Guise und seines Bruders Karl (1523-
1590), des Kardinals von Bourbon, an der Messe in der Pariser Kirche von St.
Geneviève in aller Öffentlichkeit teilnahm, war für Jeanne klar, dass sie nun
zwischen ihrem Mann und ihrem Glauben wählen musste. Und hierbei gewann
Letzterer. Während sich die Hugenotten ins
sichere Meaux und Orléans begaben, machte
sich Jeanne mit ihrem Töchterchen [Katharina] auf den
Weg zurück nach Navarra.
Bevor sie im April 1562 aufbrechen konnte,
erfuhr sie noch, dass ihr Gatte, wie es der
spanische Gesandte vorgeschlagen hatte, sie
verhaften wollte. Sofort informierte sie ihren
Schwager, den Prinzen von Condé, von der
Gefahr, in der sie sich befand. Dieser bewirkte,
dass sich die hugenottischen Führer um Jeanne
versammelten, so dass niemand wagte, sich ihr zu nähern. Jeanne schrieb später bezüglich
dieses Verrates ihres Mannes: „... ich
verschloss mein Herz für immer hinsichtlich
der Liebe, die ich immer noch für meinen
Gatten empfand, und gab jeden (Herz)schlag
zur Erfüllung meiner Pflicht (als Königin und
Landesmutter) hin.“
Nur durch den Schutz der Hugenotten gelang es ihr, schließlich unversehrt in
ihr Königreich zurückzukehren. Mit deren Hilfe war sie immerhin, wenn auch
nur sehr knapp, ihrer Gefangennahme durch ihren Verfolger, dem Marschall de
Montluc, entgangen, der ihr seit Vendôme auf den Fersen war." (in: Maike Vogt-Lüerssen: Frauen in der Renaissance – 30 Einzelschicksale, S. 295-296).
Antoine von Bourbon, der sich nun auf der Seite der katholischen Mächte
befand, zog sich währenddessen am 25. Oktober 1562 bei der Belagerung von
Rouen eine Verletzung zu. Eine Kugel hatte seine linke Schulter getroffen. Die
Wunde war nicht lebensgefährlich, aber seinen Ärzten gelang es nicht, die
Kugel aus der Schulter zu entfernen. Sie verordneten schließlich Bettruhe und
viel Schonung. Es entwickelte sich jedoch in Antoines Arm der gefährliche
Wundbrand. Er starb daher am 17. November 1562 im Beisein seiner Mätresse,
Louise de la Beraudière, Mademoiselle de Rouet. Bevor er das Zeitliche
segnete, schrieb er noch einen Abschiedsbrief an Jeanne, in dem er ihr das
alleinige Erziehungsrecht über ihren Sohn Heinrich zugestand. Außerdem
ermahnte er sie, den französischen Hof zu meiden und für die Sicherheit ihres
Reiches zu sorgen." (in: Maike Vogt-Lüerssen: Frauen in der Renaissance – 30 Einzelschicksale, S. 297).