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Frohe Weihnachten / Merry Christmas

Eine wunderschöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2023 wünscht Ihnen, meine lieben Leser und Leserinnen, Ihre Maike Vogt-Lüerssen von Downunder.

Möge das nächste Jahr Ihnen Gesundheit und viel Liebe schenken. Ganz besonders möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die meine Bücher und E-Books gekauft haben und mir damit ermöglichen, meiner großen Leidenschaft, der Geschichte, weiterhin nachgehen zu können.

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24/11/2022

Anna von Sachsen (1544-1577) und Wikipedia

Leider haben die fanatischen Anhänger von Wilhelm von Oranien wieder einmal eine einseitige Biografie über Anna von Sachsen in der Wikipedia hinterlegen können. Damit Sie es alle wissen: Annas jüngstes Kind, ihre Tochter Christine von Diez (oder Dietz), ist laut Wikipedia aus einer Affäre ihrer Mutter mit Jan Rubens hervorgegangen. Entschuldigen Sie hierzu bitte meinen unwissenschaftlichen emotionalen Ausbruch: "Was für ein Schwachsinn!" Ja, wenn man alle wichtigen zeitgenössischen Quellen, die dafür sprechen, dass Anna keinen Ehebruch begangen hat und dass ihre Tochter Christine ein Kind von ihrem Gatten Wilhelm von Oranien war, auslässt, kann man die Leser und Leserinnen von diesem Unsinn natürlich leicht überzeugen. Man nennt das jedoch nicht das Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse, basierend auf allen verfügbaren zeitgenössischen Quellen, sondern reine Manipulation (oder Propaganda) à la Wilhelm von Oranien. Der Schreiber, der für diesen Unsinn auf Wikipedia verantwortlich ist, ist ein Zeitgenosse von uns. Da er oder sie wie wir alle keine Zeitreise ins 16. Jahrhundert unternehmen konnte, hatte er oder sie sich also wie wir Normalsterblichen der zeitgenössischen Quellen des 16. Jahrhunderts (und zwar allen!!!) zu bedienen, um bezüglich der Frage, ob Christine von Diez ein Kind von Wilhelm von Oranien oder Jan Rubens war, eine Antwort zu finden. Das hat er oder sie nicht getan, denn für ihn oder sie ist es eindeutig klar, Anna ist der "Schuft" und nicht "der große Held" Wilhelm von Oranien. Dabei hat uns Maria Pypelinx (oder Pypelinckx), die Gattin von Jan Rubens, folgende wichtige Nachricht über ihren geliebten Ehemann auf seinem Grabstein hinterlassen: "Seine Frau, der er sieben Kinder gab, und mit der er 26 Jahre in Eintracht gelebt hatte, und der er auch niemals nur einen einzigen Grund gegeben hatte, sich über ihn zu beschweren, hatte dieses Grabmal, das sie in Ehre für ihren ausgezeichneten und geliebten Gatten in Auftrag gab, errichten lassen."

Wir sollten doch der Gattin von Jan Rubens eher glauben als diesem Schreiberling auf Wikipedia. Überdies schrieb Anna am 22. Januar 1572 an Dr. Jacob Schwarz, dem Anwalt und Gesandten ihres Schwagers Johann von Nassau, Folgendes über ihr jüngstes, angeblich uneheliches Kind Christine: „Was angedt das Kindt, das weis der her allemechtig, denn niemandt ligen kan, es meines herren fleis [Fleisch] und bludt ist und das ruebens so viel deil daran hadt als Ihr.“ Ihr hessischer Onkel, der Landgraf Wilhelm IV., der ihre jüngste Tochter Christine persönlich kennenlernen sollte, äußerte denn auch, dass keines von Wilhelms Kindern diesem äußerlich so geähnelt hätte wie das angeblich „uneheliche Kind seiner Nichte.“ Anna warf ihrem Schwager Johann unter anderem auch vor, dass er ihren Notar Jan Rubens gefangen gesetzt und gefoltert hätte, damit dieser „fälschlich ihr schuld gebe, als sollte sie ein Monat zuvor ein Kindt getragen, ehe sie zu dem herrn Printzen wieder kumen sey.“ Das heißt, Anna spricht im Fall von Christine von einem Achtmonatskind, das im Dezember gezeugt wurde, als Wilhelm von Oranien (quellenmäßig bestätigt) sexuellen Kontakt mit Anna hatte.

Übrigens gibt die Kreidezeichnung, die Jacques Le Boucq zugeschrieben wird und die auf Wikipedia zu finden ist, nicht das Antlitz von Anna von Sachsen wieder. Ich hatte sie einst, als ich noch hinsichtlich des Bildmaterials unwissend und dumm war, ebenfalls für mein Buch verwendet. Aber nur weil jemand viele Jahre nach der Entstehung eines Werkes unter diesem seine Vermutung, wer gezeichnet wurde, gekritzelt hat, heißt das noch nicht, dass es sich in der Tat um die Genannte handelt.

Hier finden Sie übrigens, wie Anna von Sachsen wirklich aussah.

P.S.: Selbstverständlich könnte das Problem, wer der Vater von Christine von Diez war, leicht gelöst werden. Schließlich befinden wir uns im 21. Jahrhundert, und ein Vaterschaftstest kann leicht durchgeführt werden. Die Nachkommen von Christine von Diez sind übrigens hierzu bereit. Ja, wir haben noch die sterblichen Überreste von ihr und auch von Wilhelm von Oranien. Nur die Nassauer weigern sich. Und aus gutem Grunde: Sie kennen die Antwort schon lange.

P.S.2: Die sieben Kinder von Maria Pypelinx (oder Pypelinckx) (Abb. 1) und Jan Rubens sind: 1. Jan Baptist (1562-1600); 2. Blandina (1564-1606); 3. Clara (1565-1580); 4. Heinrich (1567-1583); 5. Philipp (1574-1611); 6. Peter Paul (1577-1640), der berühmte Maler; 7. Barthololäus, geboren und gestorben im Jahr 1581.

Abb. 1: Maria Pypelinx (oder Pypelinckx) (eine der vielen Porträts, die Peter Paul Rubens von seiner geliebten Mutter erstellte)
als Buch und E-book

Anna von Sachsen – Gattin von Wilhelm von Oranien
124 Seiten, mit Stammtafeln und 64 SW-Bildern, ISBN 978-1-9733-1373-1, 4. überarbeitete Auflage, € 7,80
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