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Frohe Weihnachten / Merry Christmas

Eine wunderschöne Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2022 wünscht Ihnen, meine lieben Leser und Leserinnen, Ihre Maike Vogt-Lüerssen von Downunder.

Möge das nächste Jahr Ihnen Gesundheit und viel Liebe schenken. Ganz besonders möchte ich mich bei denjenigen bedanken, die meine Bücher und E-Books gekauft haben und mir damit ermöglichen, meiner großen Leidenschaft, der Geschichte, weiterhin nachgehen zu können.

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24/10/2021

Fünf Fragen an die Autorin des Buches „Die Frauen des Hauses Tudor“, Maike Vogt-Lüerssen, bezüglich der englischen Königin Elisabeth I. (1533-1603) (5)

5. Frage: Elisabeths I. Verhältnis zwischen Empathie und heftiger Rivalität mit Maria Stuart?

Seit dem Tod der englischen Königin Maria Tudor im Jahr 1558 betrachtete Maria Stuart (1542-1587) sich als deren einzige berechtigte Nachfolgerin auf dem englischen Königsthron, obwohl sie wie auch ihr Vater, der schottische König Jakob V., und ihr Sohn, der zukünftige schottische König Jakob VI., in den Testamenten der englischen Könige Heinrich VIII. und Eduard VI. ausdrücklich von der Thronfolge in England ausgeschlossen worden war. Aber das interessierte sie nicht im Geringsten. Sie tat, sowohl privat als auch politisch, stets das, was sie persönlich für richtig hielt. Niemand konnte sie davon abhalten. Dabei bestimmten ihre persönlichen Gefühle und Emotionen ihr Handeln, nicht die Vernunft. Als Beispiel hierfür kann man ihre zweite Heirat mit Henry Stuart (1545-1567), ihrem Cousin ersten Grades, anführen, den sie im April 1565 unbedingt heiraten wollte, obwohl sie ihn erst am 17. Februar 1565 kennengelernt hatte und nichts über seinen wahren Charakter wusste. Ihre politischen Ratgeber und Minister waren gegen diese Eheschließung. Sie heiratete ihn daher im Mai 1565 in aller Heimlichkeit. Damit hatte sie Tatsachen geschaffen, und die offizielle Hochzeit konnte dann schließlich zwei Monate später, am 29. Juli 1565, gefeiert werden. Aber im Oktober 1565 bereute sie schon ihre Heirat. Zu diesem Zeitpunkt betrog ihr Gatte sie bereits und suchte die zahlreichen Bordelle seiner Umgebung auf. Seit November 1565 konnte Maria Stuart ihren Gatten, ohne den sie doch, wie sie ihren Ratgebern und Ministern wenige Monate zuvor gestanden hatte, nicht mehr leben wollte, nicht mehr ausstehen. Sie hätte wie so viele hohe Adlige in ihrer Zeit ihre Ehe annullieren lassen können. Schließlich hatte sie ihren Cousin ersten Grades geheiratet, was kirchlicherseits strikt verboten war. Aber sie war bereits schwanger – ihr Sohn Jakob VI. sollte am 19. Juni 1566 geboren werden –, und sie hätte ihrem Kind mit der Annullierung ihrer Ehe seine Legalität genommen und ihn zum „Bastard“ gemacht. Und damit hätte der kleine Jakob VI. sein Anrecht auf die Thronfolge in Schottland verloren.

Maria Stuart, die selbst heute noch so viele Anhänger besitzt, war eine kalte, berechnende, unausstehlich arrogante, gewissenlose, machtgierige, hinterlistige, mitleidslose, intrigante, heuchlerische und rachsüchtige Frau. Und sie war böswillig. Ihre erste Schwiegermutter, die französische Königin Katharina de’ Medici, nannte sie, da sie eine Medici war, herablassend „die florentinische Krämerstochter“. Die Cousine ihres Vaters, die englische Königin Elisabeth I., erhielt von ihr den Spitznamen „der Bastard“. Eine Annullierung ihrer zweiten Ehe war ihrer Meinung nach wegen ihres Sohnes nicht möglich. Die hohen adligen Herren ihrer Zeit versuchten ihre ungeliebten Gattinnen loszuwerden, indem sie diese wie der Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg als Hexen diffamierten oder ihnen, wie es Wilhelm von Oranien hinsichtlich seiner zweiten Gattin Anna von Sachsen gegenüber tat, Ehebruch vorwarfen, den sie nie begangen hatten. Aber nur im Calvinismus wurde man seine Gattinnen im letzteren Fall in der Tat los. Wilhelm von Oranien war also noch zusätzlich zum Calvinismus übergewechselt.

Spätestens im September 1566 begann Maria Stuart ihre außereheliche Affäre mit James Hepburn, dem Grafen von Bothwell, in den sie sich Hals über Kopf verliebt hatte und den sie nun unbedingt heiraten wollte. Das Problem „Henry Stuart“ ließ sie endlich am Abend des 10. Februar 1567 oder am frühen Morgen des 11. Februar 1567 beseitigen. Maria Stuart war es nämlich gelungen, ihren zweiten Gatten, der sehr schwer an den Pocken oder an der Syphilis erkrankt war, zu überreden, das für ihn sichere Glasgow zu verlassen und sich nach Kirk O’Field, einem völlig heruntergekommenen Landhaus, zu begeben. Nur wenige Stunden nach einem Besuch von Maria Stuart bei ihrem Gatten am späten Nachmittag des 10. Februar 1567 wurde dieses Landhaus durch eine schreckliche Explosion in Schutt und Asche gelegt. Wie sich später herausstellte, war der gesamte Keller mit Schießpulver gefüllt gewesen. Henry Stuart war mit einem seiner Diener, der sich mit ihm sein Schlafzimmer geteilt hatte, zwar der Explosion entgangen – ihre Leichen wiesen nicht die geringsten Brandspuren auf –, aber sie waren auf ihrer Flucht in den Garten ergriffen und erstickt worden. Einen bzw. drei Tage vor der Explosion (unterschiedliche Quellenaussagen) soll Maria Stuart noch wertvolle Gegenstände wie Wandteppiche und eine kostbare Bettdecke ihres Gatten aus dem Landhaus entfernt haben. Aber anstatt nach der offensichtlichen Ermordung von Henry Stuart nun zumindest die trauernde Witwe zu spielen, folgte Maria Stuart bereits eine Woche später der Einladung eines gewissen Lord Seton. Und am 15. Mai 1567 heiratete sie, die stets vorgab, eine überzeugte Katholikin zu sein, die alles Protestantische hasste, James Hepburn nach protestantischem Ritus.

Henry Stuart hätte seinem Schicksal übrigens entgehen können. Am 7. Februar 1567, also drei Tage vor der Explosion, hatte er nämlich von einem Halbbruder von Maria Stuart, Robert Stewart, die Warnung erhalten, dass, wenn er nicht schnell diesen Platz verlassen würde, es ihm das Leben kosten könnte. Anstatt sich jedoch auf die Flucht zu begeben, erzählte er dies einen Tag später, also am 8. Februar, seiner Gattin Maria Stuart, die noch an diesem Tag ihren Halbbruder Robert zu sich rufen ließ und ihn bat, in Gegenwart ihres Gatten, ihres gemeinsamen Halbbruders James Stewart und von James Hepburn noch einmal zu wiederholen, was er Henry angeblich gesagt hätte. Nun selbst um sein Leben fürchtend, stritt jener in Gegenwart von diesen Leuten ab, so etwas jemals gesagt zu haben.

Am 15. Juni 1567 wurde Maria Stuart schließlich wegen der Ermordung ihres zweiten Gatten gefangengesetzt. Das schottische Volk beschimpfte sie als „Hure von Babylon“ und als „Mörderin“. Man hatte Briefe von ihr gefunden, die sie sehr schwer belasteten. Daher musste sie der Aufforderung ihrer Minister abzudanken nachgeben. Ihr einjähriger Sohn Jakob VI. sollte der nächste König von Schottland werden. Am 16. Mai 1568 gelang ihr die Flucht nach England. Seit dieser Zeit kamen die Königreiche von Schottland und England ihretwegen nicht mehr zur Ruhe. Maria Stuart wollte wieder Königin von Schottland werden. Jedoch war die englische Königin Elisabeth I. nicht bereit, ihr hierbei militärisch zu helfen. So beschloss sie, auch Elisabeth I. aus dem Weg zu räumen. Um dies zu bewerkstelligen, schuf sie ein raffiniertes Spionagenetz, um sich mit ihren Verbündeten in England, Schottland und Spanien in Verbindung setzen zu können. Tauben wurden eingesetzt, Briefe wurden in Wäschestücken, in Büchern, in Deckeln von Schmuckkästen, hinter dem Quecksilber von Spiegeln, zwischen den Sohlen von Schuhen, in Perücken und in der Stola ihres Beichtvaters versteckt und an ihre verschiedenen Bestimmungsorte geschickt.

Im Mai 1570 exkommunizierte Papst Pius V. Elisabeth I. Seit dieser Zeit war die englische Königin ihres Lebens nicht mehr sicher. In der Babington-Verschwörung im Jahr 1586, in der erneut versucht wurde, Elisabeth I. zu ermorden, konnte endlich durch Papiere die Mittäterschaft von Maria Stuart in diesem Komplott bewiesen werden. Trotzdem war Elisabeth I. erst nach langem Zaudern und großer Gewissensbisse am 1. Februar 1587 bereit, das Todesurteil über Maria Stuart zu unterschreiben. Ihr Zaudern und ihre Gewissensbisse hatten jedoch nichts mit Empathie bezüglich der schottischen Königin zu tun. Maria Stuart war wie sie durch ihre Geburt und Salbung Königin von Gottes Gnaden. Sie war eine von Gott „Auserwählte“ wie Elisabeth I., und damit war die schottische Königin wie alle hohen Adligen eigentlich für alle ihre Zeitgenossen unantastbar. Es war schließlich etwas anderes, wenn Könige/Kaiser sich in ihren vielen Kriegen gegenseitig töteten. Das nannte man dann Gottesurteil: Gott hatte sich in diesem Fall gegen einen König entschieden, der daher sterben musste. Selbstverständlich ließen hohe Adlige und Könige/Kaiser ihre königlichen Gegner oder Rivalen gefangennehmen und in ihren Kerkern umbringen wie z. B. Eduard IV. von York den englischen König Heinrich VI. Aber dies geschah in aller Heimlichkeit und nicht in der Öffentlichkeit. Nur wenige Eingeweihte wussten von dieser Ermordung. Und der hohe Adlige oder König, der den Befehl zu dessen heimlichen Tötung gegeben hatte, konnte immer leugnen, den Auftrag hierzu gegeben zu haben. Maria Stuart war wie (fast) sämtliche Kaiser und Könige in unserer Geschichte ebenfalls eine notorische Lügnerin. Ihren Worten durfte man nie trauen, auch nicht ihren schriftlich niedergelegten Versprechungen. Der französische König Ludwig XII. beschwerte sich einst über den spanischen König Ferdinand II., der im Jahr 1496 wegen seiner großen Verdienste um Kirche und Christenheit vom Papst den Titel „Katholische Majestät“ erhalten hatte, dass dieser ihn schon zweimal getäuscht bzw. belogen hätte. Worauf Ferdinand II. erwiderte: „Er lügt! Ich habe ihn schon zehnmal getäuscht!“

Ja, man war richtig stolz, besser lügen zu können als die anderen hohen Standesgenossen. Und Maria Stuart war eine Meisterin im Lügen! Als sie im Jahr 1561 von Frankreich nach Schottland zurückgekehrt war, war ihr einst katholisches Königreich protestantisch geworden. Sie versprach ihrem Kronrat daher, die neue Religion in Schottland zu tolerieren, gleichzeitig versicherte sie jedoch dem Papst, dass sie in ihrem Königreich den Katholizismus wieder einführen wolle. Auf ihren Porträts ließ sie sich bereits nach dem Tod ihres ersten Gatten stets als Witwe darstellen, ihre Truhen zeigten jedoch, dass sie es liebte, sich fein zu kleiden und mit Schmuck zu überhäufen. Uns spielt sie noch heute durch ihre Propagandaporträts die treusorgende Gattin und fürsorgliche Landesmutter vor. Maria Stuart fühlte sich, was ihre Attentatsversuche gegenüber Elisabeth I. betraf, für unschuldig. Für eine Katholikin war die Ermordung eines Ketzers kein Verbrechen. Schließlich forderte selbst der Papst hierzu auf. Maria Stuart sah sich daher bei ihrer Hinrichtung selbst als Märtyrerin ihres katholischen Glaubens. In ihrem Letzten Willen übertrug sie die Krone von England und Schottland auf Philipp II. von Spanien, der dieses Recht an seine Lieblingstochter Isabel Clara Eugenia weiterreichte. Mit der spanischen Armada wollte Philipp II. seine Tochter Isabel Clara Eugenia zur Königin von England erheben.

Die Begriffe Empathie und Rivalität sind in der Beziehung Elisabeths I. zu Maria Stuart nicht zu gebrauchen. Maria Stuart stand Elisabeth I. fern. Sie kannte diese Frau kaum. Sie wusste nur, wie Maria Stuart über sie dachte, sie als „Bastard“ diffamierte, und dass sie über mehrere Jahre versucht hatte, sie zu töten. Sie betrachtete Maria Stuart nicht als Rivalin um den englischen Thron, dazu besaß jene laut der Testamente der englischen Könige Heinrich VIII. und Eduard VI. nicht das geringste Recht, sondern als gefährliche Gegnerin, die ihren Tod wünschte.

Elisabeth I. akzeptierte hingegen, dass Maria Stuart wie sie eine Gottgeweihte war, was sie im Prinzip handlungsunfähig machte. Deshalb unterschrieb sie zwar das Todesurteil über die schottische Königin, wollte es jedoch nur ausgeführt sehen, wenn spanische Truppen in England einmarschierten. Die Beseitigung von Maria Stuart, dieser großen Gefahr für England und Elisabeth I., übernahm letztendlich Elisabeths Kronrat.

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Buch Cover: Die Frauen des Hauses Tudor

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