Renée von Frankreich wurde hier als die mythologische Stammmutter der Dynastie ihres Gatten Ercole II. d'Este, die Kriegerin Bradamante, mit ihrem Schwert wiedergegeben. Übrigens trug dieses Porträt bis ins Jahr 2008 hinein den Titel: "Bildnis eines Jünglings" (also eines jungen Mannes). Vier Jahre lang verbrachte der Kunsthistoriker Carl Villis von der National Gallery of Victoria (Australien) angeblich mit dem Studieren dieses Bildnisses, bis er auf die Idee kam, die Dargestellte sei das einzige authentische Porträt von Lucrezia Borgia. Wie er zu dieser unsinnigen Schlussfolgerung gekommen war, teilte er uns leider nicht mit. Es gibt übrigens keine zeitgenössische schriftliche historische Quelle, in der dieses Porträt beschrieben wurde und uns damit allen erklärt, dass es sich bei der Dargestellten um Lucrezia Borgia handelt. Es war wieder einmal so eine "mystische" Eingebung eines Kunsthistorikers, vor der uns der hervorragende Historiker Ernst Birk (1810-1891) schon im Jahr 1864 gewarnt hatte: "Die Kunstgeschichte bedarf zu ihrem Gedeihen vor Allem einer sicheren urkundlichen Grundlage". (in: Ernst Birk, Jakob Seisenegger – Kaiser Ferdinand I. Hofmaler 1531-1567 - Eine Studie zur österreichischen Kunstgeschichte aus bisher unbenützten Quellen, Wien 1864, S. 1). Vergessen Sie bitte nicht, dass dieses Bildnis bis zum Jahr 2008 den Titel "Bildnis eines Jünglings" trug. Die Kleidung und der Haarstil der Dargestellten sagen uns, dass dieses Porträt in den 1530ern bis 1540ern Jahren erstellt wurde. Die Kleidung weist daraufhin, dass sich die Dargestellte in einem Trauerjahr befindet, und die zwei Jasminblüten - Symbole für Fruchtbarkeit - vor ihrer Brust erzählen uns, dass sie bereits zwei Kinder hat. Durch die vielen Porträtdarstellungen, die es von Renée von Frankreich, der Herzogin von Ferrara, Reggio und Modena, gibt, wissen wir, um wen es sich bei der Dargestellten handelt. Durch die zusätzlichen Informationen des Bildes lässt sich dieses Porträt von ihr sogar datieren. Es muss nach dem Tod ihres Schwiegervaters Alfonso I. d'Este am 31. Oktober 1534 und vor der Geburt ihres dritten Kindes, ihrer Tochter Lucrezia, die am 16. Dezember 1535 das Licht der Welt erblickte, erstellt worden sein.
Falls Sie mehr über die Kriegerin Bradamante lesen möchten, kann ich Ihnen das großartige Werk von Ariost: Der rasende Roland (Zwei Bände; Winkler Verlag, München) nur empfehlen. Eine kleine Leseprobe finden Sie auf meiner Webseite. Wenn Sie mehr Bildnisse von Renée von Frankreich sehen möchten, schauen Sie bitte auf Renées Stammtafel.














